Wrath of the Lich King - First Look

Ursprünglich wollte ich ja einen Bericht zur neusten Erweiterung von World of Warcraft (kurz WoW) verfassen, als mir plötzlich überraschend Warhammer Online dazwischenfunkte. Deshalb gibt's an dieser Stelle leider nur einen "Firstlook"… also nicht, dass Sie jetzt glauben, das Ganze sei einen zweiten Blick wert…

Das Schöne bei WoW ist ja, dass bereits lang vor Erscheinen der Erweiterung so ziemlich alle Inhalte bekannt sind. Blizzard hat sich erst gar keine Mühe gegeben die NDA möglichst lange aufrechtzuerhalten, schließlich gehört der ganze Medienzauber inzwischen fest zu Blizzard's Hypeprogramm. Daher gibt's schon seit Wochen Screenshots und Videos, die zeigen, was alte WoW-Veteranen und Neueinsteiger in der Erweiterung erwartet. Darüber hinaus hat sich Blizzard ganz offensichtlich auch entschlossen den gesamten Planeten plus das dazugehörige Sonnensystem zum Beta-Test einzuladen, denn anders lassen sich die aus allen Nähten platzenden Server eigentlich kaum erklären.

Seit einiger Zeit ist ja nun schon bekannt - die neue Erweiterung für den digitalen Straßenfeger wird also Wrath of the Lich King heißen (Neudeutsch: Fräss off se Litsch King) und ist im verschneiten Norden angesiedelt. Da darf man schon gespannt sein, welche grandiose Übersetzung wir für die deutsche Version erwarten dürfen. Wenn man sich allerdings anschaut, was die Übersetzungsabteilung von Blizzard bisher so abgeliefert hat, würde es mich nicht wundern, wenn im deutschen Titel kleine, glitschige Früchte aus China eine Rolle spielen würden. Wer "Breeches of Absolution" mit "Bundhose der Absolution" und "Brilliant Lionseye" mit "Brillantiertes Löwenauge" übersetzt, dem ist eigentlich alles zuzutrauen. Ähnlich "brillantiert" dürften nämlich auch die Übersetzungen ausfallen, die man sich dann in Wrath of the Lich King (kurz WoTLK) antun muss.


Tja, und welche Website besucht man, wenn man etwas über WotLK erfahren möchte? Genau! Buffed.de – Deutschlands ersten Online-Karnevalsverein, bei dem das ganze Jahr über die Narren los sind. Bei Buffed.de übt man bereits jetzt eifrig daran "Lich" richtig auszusprechen, wie uns die neusten Ausgaben der Buffed-Show schmerzlich vor Ohren geführt haben. Da ist von "Litsch", über "Lich" und "Lisch" bis hin zu "Liiich" alles dabei... nur die richtige Aussprache, die sucht man bisher noch vergeblich - es ist zum in die Buchse Bollern.

Ich möchte an dieser Stelle nochmals auf den hohen Unterhaltungswert der Internetseite hinweisen. Sehr empfehlenswert ist hier vor allem die WotLK-Beta-Show bzw. die damit verbundene Diskussion, welche sich vor allem um das T-Shirt dreht, das eine der Flitzpiepen von Moderatoren in Folge 7 trägt:

Ich verspreche Ihnen, Sie werden viel Spaß haben. Gerade in den Kommentaren zur Beta-Show offenbart sich die gesamte Brillanz der Leserschaft:

Also wenn Sie vor dem Lesen dieses ganzen gequirlten Semantik-und-Grammatik-Brechdurchfalls noch keinen Gehirntumor Ihr Eigen nennen durften, dann wird Ihr Arzt nach der nächsten Computertomographie schlechte Nachrichten für Sie haben… Posts, wie der von "PalaPwnedU" zeigen, dass wir kein Volk von Dichtern und Denkern mehr sind, sondern ein Volk von Deppen. Ich behaupte ja nicht, dass jeder gleich einen literaturpreisverdächtigen Schreibstil an den Tag legen muss (den habe ich selbst ganz sicherlich auch nicht), wenn ich aber diese Text gewordene Gewaltfantasie aus Semantiksuizid und Grammatikgenozid da oben sehe, die sich liest, als habe man versucht pflanzlichem Leben in einem Intensivkurs die deutsche Sprache nahezubringen, dann habe ich schon so das Gefühl, dass es bis zur Realisierung von Pierre Boulles Vision vom Planet der Affen nicht mehr wirklich lange hin ist. Ganz ähnlich ergeht es mir übrigens auch bei folgenden Kommentaren:

Aber zurück zu WoW. Was soll uns die zweite Erweiterung nicht wieder tolle Neuerungen bringen! Vergessen Sie alles bisher Dagewesene, denn jetzt kommt's... es gibt: Neue Frisuren!!! Ob nur für Oben- oder auch für Untenrum hat Blizzard zwar noch nicht bekanntgegeben, aber egal ob nun Haupt- oder Schamhaar, das dürfte auf jeden Fall ein Knaller werden. Und für alle, die jetzt noch keinen Harten in der Bundhose der Absolution haben, schiebt Blizzard gleich einen nach: Neue Tänze wird's nämlich auch geben. Daumen hoch, sag ich da! Denn sind wir mal ehrlich, neben "/duel" ist "/dance" eigentlich das einzige Kommando, für das man ein Macro haben sollte. Ganz wichtig ist, dass Sie von beiden Hotbuttons reichlich Gebrauch machen - egal, ob Sie nun gerade vor dem Auktionshaus oder irgendeinem Endboss stehen (alternativ lassen sich beide Macros durch das ununterbrochene Hämmern der Space-Taste ersetzen).

So! Und als ob die ganzen bekloppten WoW-Fanboys nicht bereits beschlossen hätten WotLK zu kaufen, macht Blizzard jetzt den Sack zu: Es wird eine neue Klasse geben – noch einmal in Zahlen: Es wird 1 neue Klasse geben. Unglaublich! Phänomenal! Und dann auch gleich noch der Todesritter (Death Knight), da kann man die Freudentränchen kaum noch zurückhalten, so knorke ist das. Da geht's richtig ab, wenn sich dann gleich 2.000 Todesritter im Startgebiet gegenseitig die neue Frise zeigen. Ich kann's jedenfalls kaum noch erwarten zusammen mit Deathnight, Dethnite, Desneid und Nightrider eine Gruppe zu bilden und das neue Startgebiet mit den Ausmaßen einer Studentenwohnheimbude unsicher zu machen.

Aber immerhin ist das ja auch nicht irgendeine Klasse, mit der uns Blizzard da versucht weitere kostbare Lebenszeit sowie reichlich Penunsen abzuknöpfen – neeeeeein, das ist eine Heldenklasse! Wer hätte damit noch gerechnet? Von denen hat Blizzard schon geschwafelt bevor das original World of Whateverbringsusthemostmoney online ging… und jetzt kommen die endlich, die Heldenklassen… also eine halt. Ein echter Freudentag! Das ist, wie wenn die Freundin für den Abend den monatlichen Belohnungsfick angekündigt hat und am morgen zufällig die neuen Viagra mit der Post gekommen sind.

Ich könnte jetzt an dieser Stelle natürlich unzählige Screenshots und Videos bereitstellen und jedes Feature von WotLK einzeln auseinandernehmen, stattdessen verweise ich Sie aber auf Buffed.de, wo Ihnen Redakteur Marcel Anacker und Kollegen solange die Ohrmuschel blutig blubbern, bis auch Sie gewillt sind 40 Ocken für eine Erweiterung abzudrücken, die ähnlich attraktiv ist wie eine Darmspülung mit Hilfe von reichlich Cola und Mentos.

 

Nachdem, was man bisher so auf den Videos sieht, bleibt Blizzard übrigens seinem bereits aus der ersten Erweiterung (The Burning Crusade) bekannten Konzept treu – "Sucht ersetzt Content". Wer recycelt spart halt viel Geld – ich bin mir sicher, wir werden wieder ganz viele alte Monster und Gegenstände in neuen Farben sehen – das ist doch super! Ok, wenn Sie farbenblind sind, dann ist das jetzt scheiße, aber was soll's. Letztendlich ist doch heute schon absehbar, dass sich WotLK bei der Fachpresse wieder Bestnoten abholen wird, denn wie ließ Tobias Wüst von Gamona.de bereits zu einer Zeit verlauten, als man sich bei Blizzard zwischen Frühstück und Morgenschiss gerade mal ein paar Gedanken über die neue Erweiterung gemacht hatte und außer ein paar Konzeptzeichnungen noch nichts weiter existierte:

"Die Sensation ist zwar ausgeblieben, trotzdem dürfte auch Wrath of the Lich King die blizzardsche Tradition gelungener AddOns fortführen."

Meinereiner fragt sich da doch direkt, woher Graf von Klug und zu Scheiß das damals schon so genau wissen wollte, dass das mal wieder ein gelungenes Addon wird. Ah so, klar... man kennt ja bereits die Vorarbeit, die Blizzard so abgeliefert hat und schon bei The Burning Crusade (kurz TBC - ja genau, wie die Abkürzung für Tuberkulose...) hatte die Arschkriecher-Presse bei Blizzard ja dermaßen die Klinken geputzt, dass die Leserschaft, angesichts solchen Glanzes, geradezu geblendet war… und immer noch ist. Inzwischen könnte Blizzard wahrscheinlich sogar leere Verpackungen als Erweiterung für WoW auf den Markt bringen und die Presse würde auch diese mit dem Prädikat "besonders viel neuer Inhalt" absegnen.

Denn Entwickler von Blizzard sind anders als die anderer Firmen. Wenn Sie ein Entwickler von... sagen wir mal Sony Online Entertainment sind... und lassen während der Pressekonferenz laut einen fahren, dann hält sich die anwesende Presse die Nase zu und wendet angewidert das Gesicht ab. Wenn Sie aber Entwickler von Blizzard sind und lassen's so richtig saftig krachen, dann hört man die anwesenden Journalisten wie sie eifrig und begeistert schnuppern und dann sowas sagen wie "hmmm... hmmm... riecht der aber lecker!"

Mehr von WotLK gibt's dann in der ersten Woche nach dem Release. Da haben Sie dann eh mehr Zeit, weil die Server sowieso dauernd unten sind oder das Spiel, dank Zonenüberfüllung, unspielbar ist.

Warhammer Online - Review

Vorwort
Seit ich das erste Mal in meiner Jugend mit Warhammer in Berührung kam, bin ich ein glühender Fan dieser Marke, ob ich mich allerdings jemals mit dem MMORPG (Massively Multiplayer Online Roleplaying Game - kurz MMO), das von Mythic Entertainment entwickelt wurde, anfreunden werden kann, steht noch in den Sternen. Wenn man etwas mag, sogar Fan von etwas ist, dann ist es immer schwer nüchtern an eine Sache ranzugehen. So erging es auch mir mit Warhammer Online – Age of Reckoning (kurz WAR). Einerseits bin ich begeistert und möchte den Entwicklern glauben, dass dies das beste und fantastischste MMO aller Zeiten ist und andererseits spiele ich schon viel zu lange MMOs und habe schon zu viele Betas mitgemacht, um nicht zu wissen, dass in aller Regel auf der Rückseite der Spielebox eines MMOs mehr Lügen zu finden sind als in den gesamten Abenteuern des Baron Münchhausen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Belegschaft von Mythic durchaus sympathisch ist. Wann auch immer jemand von Mythic ein Interview gibt, so ist er oder sie dermaßen voller Enthusiasmus, dass man glauben möchte, was einem da erzählt wird. Da wir aber hier ja nicht in der Kirche sind, wo's um Glauben und nicht um Wissen geht, fühle ich mich auch im Falle von Warhammer Online verpflichtet das Spiel kritisch unter die Lupe zu nehmen und auch die Gedanken zu äußern, von denen ich ungern zugebe, dass ich sie habe (hmmm… klingt irgendwie anzüglich… na ja).

Eigentlich wollte ich ja noch ein paar Witze über Age of Conan (kurz AoC) einbauen, aber die hab' ich mir dann doch gespart, denn wie heißt es so schön: Du sollst nicht schlecht über die Toten sprechen.

World of Warcraft-Vergleiche
Im Moment hat man so das Gefühl, dass alles, was man gerade an MMOs so auf dem Markt finden kann, mehr oder weniger der selbe Mist ist… wie soll man da eine Wahl treffen? Ich meine – was macht man, wenn man in ein Restaurant geht und da stehen nur Gerichte auf der Speisekarte, denen man den potentiellen Darmverschluss schon am Namen ablesen kann? Jeder normale Mensch würde da doch sagen: "Ach nee, lass mal, hier ess' ich nix – da geh ich lieber heim". Nicht so der MMOler, der sagt nämlich: "Herr Ober, bringen Sie mir doch bitte etwas, wovon mir erst in vier Wochen schlecht wird, ich kotze so ungern während meines Freimonats".

Ja, das ist schon ein Graus mit den MMOs heutzutage – die Kreditkarte hat Age of Conan noch nicht richtig verkraftet, da zeichnet sich schon die nächste Kundenverschauklung mit Einkommenseinbusse auf Konsumentenseite ab: Warhammer Online – Age of Reckoning (kurz WAR). Denjenigen unter Ihnen, denen WAR nichts sagt, empfehle ich, die Gruft auch mal zur Konsultation des Internets und nicht nur zum Blutsaugen zu verlassen. Um es kurz zu machen – WAR sieht im Großen und Ganzen nicht nur genau wie World of Warcraft aus, sondern kopiert auch die Spielmechanik des großen Blenders bis ins kleinste Detail. So nach dem Motto "Besser viel geklaut, als Leute fürs Gamedesign eingestellt" verlässt man sich bei Mythic darauf, dass WoW die potentielle Kundschaft schon so flau in der Birne gemacht hat, dass die den nahtlosen Übergang zu WAR gar nicht erst bemerkt. Ich weiß, ich weiß… einige von Ihnen werden jetzt gleich empört aufschreien und irgendwas von "Warhammer lange vor Warcraft" sülzen und ja, ich gebe zu, das stimmt auch – die Warhammer-Lizenz existiert bereits seit Anfang der 1980er Jahre. Dennoch ist aber faktisch unübersehbar, dass WAR inhaltlich so gut wie gar nichts mit dem gleichnamigen Tabletop oder etwa dem Pen & Paper Rollenspiel namens Warhammer zu tun hat, dafür aber eben sehr viel mit dem MMO der Firma Blizzard. Damit die reibungslose Assimilation von Story und Content gelingt, war man ganz offensichtlich sowohl bei Mythic als auch bei Games Workshop bereit, mal so eben 26 Jahre Warhammer-Lore über Bord zu werfen, denn was der Entwickler von Dark Age of Camelot uns hier als authentische Repräsentation des Warhammer-Universums verkaufen will, hat damit genauso viel zu tun wie Lolo Ferrari mit natürlicher Schönheit.

Und weil eben die Ähnlichkeit zwischen WoW und WAR schon dermaßen auffällig ist, dass man hier von inzestuösen Familienverhältnissen sprechen kann, wird sich im folgenden Text auch so der ein oder andere WoW-Vergleich finden - darum, und natürlich weil sich die ganzen Fanboys da immer so drollig aufregen und so niedlich mit ihren kleinen, verkrüppelten "Ich hab' mich seit dem Start von WoW im Februar 2005 nimmer bewegt"-Beinchen aufstampfen, wenn man das macht.

Retrospektive
Aber fangen wir doch mal ganz am Anfang an. Es ist so etwa drei Jahre her (gefühlte fünfzehn), da tauchte ein sympathischer junger Mann namens Paul Barnett auf dem internationalen Parkett der MMO-Szene auf. Bei dem hatte man zwar immer so das Gefühl, dass in dessen Oberstübchen die Melodie zu Spiel mir das Lied vom Tod in der Endlosschleife läuft, weil er aber was zu verkünden hatte, hörte man ihm trotzdem zu: Es würde ein neues MMO auf den Markt kommen. Von Mythic entwickelt. Unter Verwendung der Warhammer-Lizenz. Und es würde das beste und großartigste MMO aller Zeiten werden. Das Spiel würde absolut und uneingeschränkt "AWESOME!" sein…
Damals, ja da war selbst ich noch ganz aus dem Häuschen. Inzwischen weiß ich aber, dass es sich mit Entwicklern und deren MMOs ganz ähnlich verhält wie mit Männern und ihrem besten Stück. Zwischen Eigeneinschätzung und Fremdeinschätzung liegen oft Welten… bzw. fünf bis zehn Zentimeter…
Wie auch immer, jedenfalls verpasste Paul Barnett keine Gelegenheit sein Gesicht in irgendeine Kamera zu strecken, um uns von der allumfassenden Großartigkeit WARs zu überzeugen. Tja… und was soll man da sagen… Videos mit Paul Barnett anzuschauen ist ein bisschen wie Fasten in der Osterzeit, nur Gehirnfasten halt. Meist hatte der Paul nichts wirklich Neues zu verkünden und brabbelte deshalb ständig von "Öffentlichen Quests", "RvR" und dem "Wälzer des Wissens". Und wenn so gar nix ging, dann zog er sich 'ne Sonnenbrille an und versuchte irgendwelche Ork-Immitationen, indem er grunzte wie Schweinchen Dick, wenn der Bauer abends mit offener Hose in den Stall kommt. Ich war schon froh, dass Barnett nicht irgendwann anfing Furzgeräusche mit der Armachsel zu erzeugen oder Tiere aus bunten Luftballons zu basteln…

Aus heutiger Sicht wirkt es nahezu oberpeinlich, wie sehr man sich bei Mythic angestrengt hat ständig zu betonen, wie absolut "AWESOME!!!" das alles sein würde, wenn man's denn irgendwann mal auf die Menschheit loslässt. Speziell beim Creative Director Paul Barnett hatte man immer so den Eindruck, dass dem die lange Entwicklungszeit langsam aber sicher auf's Gehirn schlägt. Was bei den ersten Videoauftritten von Barnett noch putzig war, hat am Ende eher ein Gefühl der Fremdscham beim Zuschauer hervorgerufen. Wann und wo auch immer Jeff Hickman (Senior Producer) und Barnett zusammen die Werbetrommel für dieses "AWESOME!!!" Game rührten, sah das Ganze aus wie die Augsburger Puppenkiste auf Ecstacy. Wild sprangen Jim Knopf und Urmel aus dem Eis da vor einer überdimensionierten Videoleinwand hin und her, als ob der Puppenspieler, der die Strippen zieht, gerade einen epileptischen Anfall hat. Das Wort "AWESOME!!!" fiel in jedem Satz mindestens dreimal, weil man ja nicht nur sich selbst, sondern auch die Presse, die unten im Publikum saß und die tausendste, stinklangweilige Powerpointpräsentation von WAR über sich ergehen lassen musste, krampfhaft überzeugen wollte. Als Zuschauer fühlte man sich dabei schon dermaßen peinlich berührt, dass man ständig nachschaute, ob nicht doch einer der Nebenleute seine Hand bei einem in der Hose hatte. Jeden Moment musste man befürchten, dass einer der beiden, angesichts der absoluten und totalen "AWESOMNESS!!!" des Games, anfängt mitten auf einer Spielemesse mit der Powerpointpräsentation von WAR zu kopulieren. Wen genau Barnett und Hickman mit diesen und anderen Possen ansprechen wollten, ist mir bis heute schleierhaft. Ich befürchte aber fast, dass speziell Barnetts Bühnenzauber für IQ-Wichtel bei den Vertretern der Fachpresse so gut ankam, dass wir den in Zukunft noch öfter sehen werden... müssen.
Nun war sich natürlich auch Mythic schon relativ früh bewusst, dass Barnetts hühnergrippeartige Anfälle auf irgendwelchen Spielemessen immer noch hundertmal interessanter waren als die WoW-Simulation, die man sich da hingewurschtelt hatte. Und weil bei Mythic ja alle in direkter Blutlinie von Schlaubi-Schlumpf abstammen, haben sie sich deshalb daran gesetzt und einen Werbeslogan erfunden, den man den potenziellen Kunden solange um die Ohren hauen würde, bis diese sich, stellvertretend für die fehlende Innovation, auch mit leeren Phrasen zufrieden geben würden. "Warhammer Online - WAR IS EVERYWHERE!". Oder zu gut deutsch: "Warhammer Online - Der Krieg ist überall!" – uiuiui... viel origineller ging's wohl nimmer, eh? Wie uns ein Insider bei Mythic verriet hatte man noch die Alternativen "Warhammer Online – Geh' wo du wohnst, du alte Scheiße!" und "Warhammer Online – Wer andern eine Bratwurst brät, der hat ein Bratwurstbratgerät!" in der Hinterhand, die aber als zu intellektuell abgelehnt wurden.

Aber einmal von diesen Peinlichkeiten abgesehen war ich eigentlich immer optimistisch, dass WAR eine runde Sache werden würde. Die Entscheidungen, die man bei Mythic traf, klangen für meine Ohren erstaunlich logisch – auch, dass man die Veröffentlichung von WAR mehrmals verschob, machte mich nicht wirklich misstrauisch… bis dahin dachte ich immer: "Hey, die Jungs von Mythic meinen es wirklich ernst und haben genau die Cojones in der Hose, die man braucht, wenn man den Marktführer angreifen will". Tja, und dann kam der August. Plötzlich gab Mythic bekannt, dass man vier Klassen hatte streichen müssen und von ursprünglich sechs geplanten Hauptstädten würden zum Release vorerst nur zwei implementiert sein (Big LOL mal an dieser Stelle… zwei von sechs Hauptstädten... wieso nicht gleich eine? So für Ordnung und Zerstörung eine halbe jeweils…). Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde auch mir klar, dass man bei Mythic bereits dabei war der Kuh die Schlittschuhe anzuschnallen, die man dann am 18. September aufs noch viel zu dünne Eis schupsen würde…

Die vier restlichen Hauptstädte wird man selbstverständlich irgendwann dann mal fertig stellen, wenn das Spiel erst auf dem Markt ist, ließ Mythic verlauten. Nee, is' klar – wie sehr sich Entwicklerfirmen an ihre Versprechen halten, konnte man ja schon bei Blizzard beobachten. Die ursprünglich bereits für das Originalspiel vorgesehnen Belagerungsmaschinen kommen ja schließlich jetzt auch… mit der neuen Erweiterung Wrath of the Lich King und somit mit nur vier Jahren Verspätung! Bei der Genauigkeit, mit der man sich bei Mythic darum bemüht die Arbeitsweise von Blizzard zu kopieren, ist zu befürchten, dass man auch deren Arbeitstempo gleich mit übernehmen wird. Man begründete die Entscheidung zunächst übrigens damit, dass bis zum Release einfach nicht genug Zeit bliebe, um alle Städte in vernünftiger Art und Weise fertigzustellen. Gute Ausrede eigentlich! Probieren Sie das doch einfach auch mal auf der Arbeit, in der Schule oder der Uni – wenn Sie der Boss fragt, warum im Bericht die Hälfte fehlt oder der Lehrer, warum Sie die Hälfte der Hausaufgaben nicht gemacht haben, dann sagen Sie einfach: "Zeit war zu knapp, um alles ordentlich hinzubekommen, deshalb hab ich nur ein Drittel gemacht, das ist dafür aber top!"
Die Klassen hat man hingegen aus WAR rausgeschnitten, weil die einfach nicht "AWESOME!!!" genug waren. Kein Scherz:

Mark Jacobs, General Manager Mythic Entertainment: "Four of the classes that we've been working on, we just couldn't get great."

("Vier der Klassen, an denen wir gearbeitet haben, konnten wir einfach nicht gut genug hinbekommen.")

Gut, jetzt hätte man sich einfach ein bissel anstrengen und die bis zur Veröffentlichung des Spiels noch "great" machen können, denken Sie jetzt vielleicht. Ich möchte aber in diesem Zusammenhang nochmals auf die Zeit hinweisen, die Mythic ganz offensichtlich ähnlich schnell davonlief wie Funcom die Kundschaft (verdammt, ich wollte doch eigentlich nix über AoC sagen… na ja, was soll's...). Immerhin, die heraus-geschnittenen Klassen, die man einfach nicht besser hinkriegen konnte, kommen jetzt doch… Die ersten beiden sogar schon im Dezember, ganz umsonst und mit allem Zipp und Zapp. Da ist man natürlich bei Mythic mal wieder stolz drauf wie klein Lieschen Müller auf die erste Menstruation. Mich wundert nur, dass man die so ganz plötzlich, jetzt wo der Release rum ist, "AWESOME!!!" hinbekommt. Wie ist das jetzt auf einmal möglich? Ich dachte die gingen einfach nicht besser? Was ist denn jetzt da passiert, dass das nun doch geht? Hat der Lead-Designer sein verloren geglaubtes Medikament gegen die chronische Hirnunterfunktion wieder gefunden oder wie?

Im Kielwasser der dubiosen Content-Kürzungen wurden die Interviews mit Mark Jacobs immer grotesker. Offensichtlich fand man es nämlich bei Mythic spaßig, dass sich viele Anhänger des Spiels darüber aufregten, dass die Entwicklerfirma Inhalte gleich zonenweise strich:

Mark Jacobs: "Exactly, that's why I laugh at some of the threads out there. They say, you're doing just what other developers have done. Actually we have done the exact opposite. We told you guys. We could have waited a ton of time to tell you. We didn't. Tell me if this sounds familiar, keep the NDA up until after the game launches, then tell everyone. We did not do that. We did the opposite, we told everyone. Here's some bad news, here is why there is bad news, and here is some good news with it."

("Genau, deshalb lache ich auch über einige der Forenbeiträge da draußen. Sie sagen, dass wir genau das machen, was auch alle anderen Entwickler getan haben. Tatsächlich haben wir aber das genaue Gegenteil gemacht. Wir haben Euch die Wahrheit gesagt. Wir hätten noch eine ganze Weile warten können, um euch das zu sagen. Das haben wir nicht gemacht. Sag mir, ob dir das bekannt vorkommt – die NDA aufrechterhalten bis das Spiel startet und dann mit der Wahrheit rausrücken. Genau das haben wir nicht getan. Wir haben das Gegenteil gemacht, wir haben jedem die Wahrheit gesagt. Es gibt einige schlechte Nachrichten, hier sind die Gründe dafür und hier sind auch ein paar gute Nachrichten.")

Na, da freuen wir uns doch, dass Mark "we just couldn't get him great" Jacobs was zu lachen hat. Und dass der Mark Humor hat, das beweist er uns ja eigentlich immer, wenn er mal wieder selbst ein Statement abliefert. Zumindest ich hielt vieles von dem, was sich der Mark da anlässlich der großen Hirnschmelze 2007/2008 zusammenfantasiert hat anfänglich für einen Scherz, bis ich dann gemerkt habe, dass der diese logikamputierte Argumentation, die er sich da zurechtklabautert hat, wirklich glaubt.
Denn auch das gehörte und gehört immer noch zum äußerst peinlichen Platzhirschgehabe Mythics: Ständig will man offensichtlich Konkurrenten und Weibchen mitteilen, dass ein neuer im Revier ist und der viel lauter und viel besser röhrt als alle anderen und darüber hinaus auch noch den wesentlich größeren Lustbringer zwischen den Beinen baumeln hat. Natürlich ist Mythic wie alle anderen Unternehmen am Markt und dementsprechend agiert man auch. Wow, man kündigt es vorher an, bevor man Sachen rauskürzt – wie überaus heldenhaft. Glauben die echt, dass bloß, weil sie sich vorher entschuldigen, bevor sie einem in die Eier treten, es deshalb nachher weniger wehtut?

Stattdessen gibt's reichlich Blindflanschrhetorik nach dem Motto "Denken stört beim Reden" – glauben Sie mir immer noch nicht? Na, dann schauen Sie sich doch einfach die Videos an, in denen uns Mark Jacobs das Handwerk in WAR erklärt. Da wird schnell klar, dass man bei Mythic wohl der Meinung ist, man müsse den dümmsten Unsinn nur überzeugend genug vortragen, dann würde einem auch geglaubt.

Angeblich, so Jacobs, müsse man in anderen MMOs oft grinden, um seine Handwerksfertigkeiten zu verbessern und das sei langweilig. Außerdem könne man nur Dinge herstellen, die andere auch herstellen könnten und daher nichts wert seien. Danach erklärt uns der Mark, der zwar ganz sympathisch ist, mit seinem Goldkettchen aber so ein bisschen aussieht, als ob auf dem Kiez ein paar Nutten laufen hat, wie das Ganze bei WAR funktioniert. Dabei strahlt er soviel gute Laune und Optimismus aus und bedankt sich am Ende des Filmes auch gleich so oft für das Interesse der Spieler, dass man ihm nur allzu gerne abnimmt, dass das alles "AWESOME!!!" ist. Schaut man sich den Videoclip zum zweiten Mal an, dann wird einem jedoch schnell bewusst, dass hier alles Mögliche erklärt wurde, nur nicht, wie man die angesprochenen Probleme in den Griff bekommen will. WAR hat bisher lediglich zwei wirkliche Handwerksfertigkeiten im Angebot: Pharmazie (so etwas wie Alchimie, also das Herstellen von Tränken, usw.) und Talismanherstellung (das Herstellen von magischen Devotionalien… die Warhammer-Version von Lourdes-Wasser, Holzsplitter vom Kreuze Christi, Zehennägel vom Papst und ähnliche Touristenabzocke halt). Das soll alles super töfte und megaklasse sein und man soll es quasi so nebenbei erledigen können, ohne dass es etwa viel Zeit in Anspruch nimmt.

So, und jetzt erzählen Sie mir doch bitte mal, wie das dazu führen soll, dass die selbst hergestellten Dinge in WAR mehr wert sind als der zusammengebastelte Schund in anderen MMOs. Da kann man Mark Jacobs eigentlich nur beglückwünschen, dass er selbst nicht den Dünnschiss im wirklichen Leben hat, den er da versucht uns Zuschauern in seinen Videos und Interviews weiszumachen – er käme nämlich vom stillen Örtchen so schnell nicht mehr runter – das steht mal fest.
Die Wertsteigerung einer Ware erzielt man durch die Verknappung der selbigen. Und dies wiederum erreicht man dadurch, dass man das Handwerk in einem MMO besonders aufwendig und/oder schwer und nicht fluffig und flockig und von jedem Depp so nebenbei durchführbar gestaltet. Das ist einfachste Ökonomie. Dass WAR also nur zwei Handwerksfertigkeiten offeriert, die zudem noch von Daily-Soap-Vorzeigeopfern zu meistern sind, verschlimmert die Lage, es verbessert sie nicht. Weniger Mist mag weniger stinken, liebe WAR-Entwickler, es ist aber immer noch Mist.
An dieser Stelle möchte ich übrigens ein kräftiges *WÜRG* loswerden, für den Mix aus Content-Bulimie und Ideen-Magersucht, den Mythic da abgeliefert hat. Zwei Handwerksfertigkeiten… darf ich mal raten? Mythic hatte noch so fünf bis zehn andere im Petto, die aber nicht "AWESOME!!!" genug waren?

Mark Jacobs: "When [sic] can look at the other options we had in the Warhammer IP that may have been a better choice right from the beginning. That is a opportunity and we are going to try and make the most of that."

("Wir können uns andere Optionen der Warhammer-Lizenz ansehen, die vielleicht von Anfang an eine bessere Wahl gewesen wären. Das hier ist eine echte Gelegenheit und wir werden das Meiste draus machen.")

Mit "That is a opportunity and we are going to try and make the most of that" meint der Mark natürlich Kohle, Asche, Knete, Penunsen, Micky Maus Taler, Cash oder einfach nur Geld. Denn das hat eigentlich bei WoW schon gut funktioniert. Da serviert man ja den Spielern auch den Content scheibenweise, in einer Dicke, die sich stark an Transparentpapier annährt. Man denke nur an die Tatsache, dass Blizzard nach vier Jahren jetzt mit der ersten Heldenklasse angedackelt kommt, von denen man bereits in der WoW-Beta geschwafelt hat…

Interviews mit Mark bekamen im Vorfeld der Veröffentlichung, so scheint es zumindest, vor allem die Vertreter der Presse, die sich auf besonders erniedrigende Art anbiederten:

Mark Jacobs: "[...] All the other things we have done, by focusing on two rather than four or six. So it's not a question of hiding the announcement, its waiting until we have something more definitive to say. Instead of just saying sorry we're cut down the cities, thanks very much. We could have waited even longer into the development process, but that wouldn't have been right. This was the time."

("[...] All die anderen Dinge, die wir gemacht haben, indem wir uns auf zwei anstatt auf vier oder sechs konzentriert haben. Es war also keine Frage eine Ankündigung bewusst zurückzuhalten, wir wollten nur warten, bis es etwas Definitives zu sagen gab. Anstatt nur zu sagen, wir haben Städte rausgekürzt, vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Wir hätten noch länger warten können, aber das wäre einfach nicht richtig gewesen. Es war an der Zeit.")

Ten Ton Hammer: "Well, and we (the WAR community) really respect your stance on it, because you come right out and tell us what's going on."

("Und wir (die Warhammer-Community) haben wirklich jeden Respekt für diese Entscheidung, weil ihr direkt mit der Sprache rausgerückt habt und uns habt wissen lassen, was da vor sich geht.")

Das ist doch klasse, dass irgend so ein Arschkriecher beim Online-Magazin Zehn Tonnen Hämorrhoide gleich für die gesamte WAR-Community spricht. Da hat man sich das gespart und weiß auch schon in etwa wie die Wertung eines zukünftigen Testberichts so ungefähr ausfallen wird. Das ist objektive Pressearbeit in Perfektion. Ganz ehrlich, wenn ich so etwas lese, dann drängt sich mir echt der Eindruck auf, dass der "Journalist" von TTH, der das Interview geführt hat, den Darm von Mark Jacobs dermaßen durch seine eigene Anwesenheit blockiert, dass die kritische Distanz, die man als Mitarbeiter der Presse an den Tag legen sollte, da gar nicht mehr reinpasst. Ich zähle mich übrigens jetzt auch mal ganz frech zur WAR-Community und was ich respektiere ist nicht etwa das polemikschwangere Gesabbere von irgendwelchen General Managern, sondern qualitativ hochwertige Spiele, die noch dazu genügend Inhalt liefern, dass nicht ein vierbeinig amputierter Hamster einen Charakter innerhalb einer Woche auf die höchste Stufe leveln kann und wohlmöglich den ersten Raid bereits hinter sich hat. Und so lange ich mich davon nicht persönlich überzeugen konnte würde ich's vorziehen, wenn Ten Ton Hammer es unterließe, auch in meinem Namen dem General Manager Mark Jacobs das Brusthaar zu kraulen. Was soll das überhaupt sein - ein General Manager? Ein Typ, der das Allgemeine verwalten muss, also quasi für alles zuständig ist? Klingt für mich verdächtig nach Hausmeister…





Und so ging das hohle Phrasendreschen im Vorfeld der Veröffentlichung dann munter weiter, denn selbstverständlich versicherte uns Mythic, dass trotz der Inhaltskürzungen alles besser werden würde (Capital Cities FAQ mit James Nichols, Entwicklerteam Mythic):

Q: "Does Empire vs Chaos have an advantage because the 2 capital cities fall in their pairing?"

("Haben das Imperium und Chaos irgendwelche Vorteile, weil die Hauptstädte in ihre Paarung fallen?")

A: "Not at all. Like I mentioned above, you must capture two pairings first before gaining access to the capital city. This means that each Tier 4 RvR territory is just as valuable as the next to the culmination of the final battle. For example, as a destruction player, capturing both the Dwarven fortress Stonewatch and the High Elf fortress Shining Way will open the opportunity to knock down the gates of Altdorf."

("Keineswegs. Wie ich oben bereits erwähnt habe, muss man zuerst zwei Paarungen erobern, bevor man Zugang zur Hauptstadt erhält. Das bedeutet, dass jedes der 4 RvR-Territorien gleich viel zählt. Zum Beispiel: Wenn man als Zerstörungsspieler sowohl die Festung der Zwerge als auch die der Hochelfen erobert, so eröffnet dies die Gelegenheit in Altdorf einzudringen.")

Macht Sinn, oder? Sie greifen den Kongo an, wenn sie in Bagdad einmarschieren wollen… Hat der George W. Bush ja auch so gemacht. Der hat erst mal in Afghanistan die Kuh fliegen lassen, obwohl er eigentlich den Irak rundmachen wollte... gut, beim alten George streiten sich bis heute die Gelehrten, ob das jetzt Taktik war oder sich die Truppen einfach nur verfahren hatten. Aber so im Prinzip lief das schon ganz ähnlich...

Q: "How will the RvR endgame work now with only 2 capital cities?"

("Wie wird das RvR-Endgame jetzt funktionieren mit nur zwei Hauptstädten?")

A: "Actually, it works out even better than we had originally designed."

("Tatsächlich läuft das jetzt besser als wir das ursprünglich entworfen hatten.")

Na, da haben wir aber noch einmal Glück gehabt, dass man sich bei Mythic in der Entwicklungsabteilung lieber drei Jahre lang auf dem Drehstuhl schwindlig gemacht hat, anstatt ein paar Gedanken über das eigene Spiel anzustellen – sonst wäre dieser WoW-Abklatsch am Ende noch bekloppter geworden, als er eh schon ist. Das muss ja ein super Entwicklungsplan gewesen sein, wenn das halbfertige Spiel mehr hermacht als das geplante Endprodukt.
Weniger Content ist oft mehr – eine ganz neue Erkenntnis der WAR-Macher! Nachdem man jetzt also reichlich Inhalte rausgekürzt hat flutscht WAR besser als jemals zuvor! Folgt man allerdings dieser Logik, so müsste auch AoC ein Uber-Kracher sein, denn viel weniger Inhalt findet man ansonsten nur in schwarzen Löchern. Wie wir aber inzwischen alle wissen, macht sich Popel aus der Nase zu holen und diese anschließend zu verspeisen, noch wesentlich mehr Spaß als Alpha of Conan und verursacht auch deutlich weniger Brechreiz.
Die Art und Weise wie Mythic versucht hat den Fans weiszumachen, dass weniger Content automatisch höhere Qualität bedeutet ist schon fast beleidigend. Spieler sind nicht grundsätzlich doof, nur die Mehrzahl von ihnen. Zumindest einige wissen inzwischen, dass weniger Content höhere Qualität bedeuten kann, aber weniger Auswahl bedeuten muss. Wie? Sie glauben mir nicht? Na, dann erstellen Sie doch einfach mal einen Ork-Charakter in WAR und schauen Sie dann, wie viele Klassen Sie da zur Auswahl haben… genau eine nämlich. Oder noch besser, versuchen Sie doch gleich auf Zertsörungsseite eine weibliche Tank-Klasse zu spielen…

Bin ich eigentlich der einzige, dem dieses konstante Gequatsche von RvR, Wälzer des Wissens und Öffentlichen Quests verschärft auf die Nerven ging? Was genau soll daran so neu oder etwa innovativ sein, dass man das in jedem Interview unterbringen muss? Ich sehe bisher in WAR kaum etwas, das man nicht genau so oder ähnlich bereits in anderen MMOs gesehen hätte. Was ich bisher allerdings noch nie zuvor erlebt habe ist, dass sich ein Entwickler so an alle verschiedenen Arten von Spielern zugleich rangeschleimt hat. Denn WAR würde selbstverständlich so "AWESOME!!!" sein, dass es alle Spieler gleichermaßen anspricht. Egal, ob PVE oder PVP, Casual oder Hardcore, Homo oder Hetero, Dick oder Doof, Fix oder Foxi, Porno oder Duplo – für absolut jeden Geschmack würde da was dabei sein. Das behaupten übrigens alle Hersteller in der MMO-Branche, wahrmachen konnte dieses Gefasel, welches vor allem dazu dient, dass möglichst viele Kunden den Geldbeutel aufmachen, allerdings noch niemand. Dass dies nun ausgerechnet einem Unternehmen gelingen sollte, dass es nicht mal fertigbringt O von Q zu unterscheiden ist natürlich extrem wahrscheinlich… nee, is' klar… und Wasser ist nass, damit es nicht so staubt, wenn die Schiffe bremsen...

Wie das offizielle EA-Mythic-Maskottchen, Paul Barnett, bereits am 29. Juli einem Redakteur des Magazins Videogaming247 verriet (von denen hat ja wohl auch keine Sau bisher was gehört…), war WAR schon zu diesem Zeitpunkt bereit ausgeliefert zu werden. Man bastle halt im Moment noch so ein bisschen dran rum, so Barnett damals, aber theoretisch könne man das den Leuten schon jetzt in die Wichsgriffel drücken. Auf der E3 habe man jedenfalls so ziemliche alle Preise abgeräumt, die wo gehen. Alle, die WAR beäugeln durften hätten die Bauklötze gleich wolkenkratzerweise gestaunt und zugegeben, dass sie so eine komplette und allumfassende "AWSOMNESS!!!" vor Release eines MMOs überhaupt noch nie gesehen hätten, meinte Barnett bereits eineinhalb Monate vor der Veröffentlichung.

Wie hieß noch mal dieser Spruch? "Wer's glaubt wird selig, wer's nicht glaubt kommt auch in den Himmel"? Ach nee… "wer's glaubt ist ein Fanboy und wer's nicht glaubt arbeitet bei Elektronic Arts"… so war's. Denn gerade der angeschlagene Publisher von Warhammer Online dürfte sein Bestes dazu getan haben, dass das langerwartete MMO so schnell wie nur irgendwie möglich auf den Markt kommt. Electronic Arts steckt nämlich zurzeit ähnlich tief in der Krise wie Ten Ton Hammer im Allerwertesten von Mythic, denn glaubt man dem Finanzunternehmen Thomas Financial, so hat der börsennotierte Publisher für das zweite Quartal 2008 abermals rote Zahlen geschrieben. Und es ist ja kein Geheimnis, dass man sich mit einem gut gehenden MMO sanieren kann. Außerdem drohte da natürlich noch Ungemach in Form des großen Konkurrenten, denn bis zur Veröffentlichung von Wrath of the Lich King, das ahnte man wohl schon, würde es nicht mehr allzu lange hin sein und ganz offensichtlich, wollte man dem zuvorkommen. Denn eines scheint klar – ein zeitgleiches oder zeitnahes Release wäre einer MMO-Todgeburt gleichgekommen. Ich frag mich jedenfalls warum die Hälfte des Spiels bei Release nur in englischer Sprache verfügbar war, wenn man doch ach so viel Zeit hatte, um noch an Kleinigkeiten rumzubasteln… Was lässt sich zur Übersetzung sonst noch sagen... eigentlich nicht viel. Außer vielleicht, dass ich gar nicht wusste, dass sich Bruce Darnell zwischendurch bei Mythic was dazuverdient.

Collector's Edition, Headstart und Open Beta
Die Gier der Entwickler und Publisher kennt scheinbar keine Grenzen und weil das eben so ist, gibt es heute nicht nur immer eine unverschämt teuere Collector's Edition (CE), wenn ein Spiel auf den Markt kommt, sondern man lässt sich gleich auch noch die Teilnahme an der Beta und einen früheren Spielbeginn bezahlen. Da die Spieler heute ähnlich viel Grütze im Oberstübchen haben wie die durchschnittliche BSE-Kuh werden sie auch genauso behandelt – will heißen: man melkt sie, bis der Euter platzt bzw. das Limit der Kreditkarte ausgeschöpft ist. So selbstverständlich auch Mythic. Aber immerhin bekommt man bei Mythic ja auch etwas für die Kohle, denn wie ließ IainC, irgend so ein Schlauscheißer bei GOA (GOA ist der Betreiber von WAR in Europa und zeichnet sowohl für die Account-Verwaltung als auch für die Server-Betreuung verantwortlich), bereits im Vorfeld verlauten:

Der 7te, zur Information für alle Unwissenden, war der Tag des Open-Beta-Beginns. Und da darf man ruhig auch als kritischer Mensch, wie ich einer bin, applaudieren und zugeben, dass das doch mal ne Ansage ist… wenn man nicht insgeheim gewusst hätte, dass es sich auch hier um widerwärtiges Rumgeschleime handelt, welches nur so lange Gültigkeit besitzt bis man möglichst viele Vorbestellungen abgestaubt hat. Und so gab man sich im Vorfeld bei GOA auch möglichst großkotzig. Jegliche Kritik sowie begründete Bedenken der Kunden wies man in freundlichem, aber bestimmtem Ton zurück und zwar in Statements, die sich allesamt mit den Worten "Fick dich!" zusammenfassen lassen:

Was soll ich Ihnen noch groß erzählen – alles kam exakt so, wie von Kharen (dem besorgten Kunden im obigen Post) vorhergesagt. Zuerst ging die Registrierung des Beta-Schlüssels auf der Website nicht, dann ging der Patcher nicht… alles halt genau so, wie es heute im Handbuch Wochenendbelustigung für gelangweilte MMO-Entwickler vorgeschrieben ist. Eine Error-Meldung jagte die nächste, letztendlich wurde die Registrierung komplett abgeschaltet. Wer also noch keinen Account hatte, der durfte halt in die Röhre gucken, auch wenn er vorbestellt und sich damit einen "garantierten Zugang zur Open Beta" erworben hatte. Ja, denn auch der Zugang der "Open Beta" war beschränkt, es war sozusagen eine Closed Open Beta, für die es eine begrenzte Anzahl von Zugangsschlüsseln gab. Am Ende wurde es dann aber dadurch, dass Mythic so viele Beta-Keys auf den Markt warf, dass auch jeder der wollte so zwei bis drei bekam, dann doch eine Open Closed Open Beta… also außer Sie gehörten jetzt zu denjenigen, die sich nicht registrieren konnten oder dauernd eine Fehlermeldung erhielten – in dem Fall war es selbstverständlich eine Closed Open Closed Open Beta.
Aber vielleicht sollte ich das präzisieren… in Europa ging das alles ordentlich ins Höschen, in Amerika da klappte das hingegen. Während Mythic in den USA selbst das Ruder in Händen hält, hat man sich dazu entschlossen, das ganze Drumherum in Europa der Firma GOA (Group of Amateurs) zu überlassen. Und die haben schon zu DAoC-Zeiten bewiesen, dass für manche Menschen eben auch Drehorgelspielen einfach zu anspruchsvoll ist… entsprechend skeptisch war die Community, als Mythic den Entschluss mitteilte GOA mit ins Boot zu nehmen. Als ich in Google nach GOA gesucht habe, wurde mir erst mal ein Link zur Internetpräsenz der Gesellschaft im Ostalbkreis für Abfallbewirtschaftung angeboten… Nomen est Omen, möchte man da meinen. Mal wieder waren die europäischen Kunden die Gearschten, daran hat man sich ja fast schon gewöhnt. Dabei hatten sowohl Mythic als auch GOA im Vorfeld der Veröffentlichung des Spiels groß rumgetönt, dass man den Europäern den exakt gleichen Service zukommen lassen würde. Doch immer wenn man glaubte, dass es schlimmer gar nicht mehr geht, kam so ein schlecht verfugter Fliesenleger namens IainC daher und versuchte Fans und Kunden die Restintelligenz aus der Rübe zu quatschen:

"Equal does not mean identical"... ja sicher doch... kann mir mal einer erzählen, was genau das für ein Zaubertrank war, in den IainC in seiner Kindheit gefallen ist? Das glitschige Glanzlicht dieser Schmierenkomödie namens WAR-Open-Beta setze selbstverständlich dann wieder einmal IainC von GOA (Großkotz ohne Ahnung... und dazu noch lästig wie Bruno, die Scheißhausfliege – super Mischung), der die Empörung einiger Beta-Tester darüber, dass man nicht auf sie gehört hatte, obwohl diese GOA das Beta-Kuddelmuddel vorausgesagt hatten, so gar nicht nachvollziehen konnte:

Verstehen Sie mich jetzt nicht falsch – schon vor Jahren haben MMO-Entwickler so getan, als seien ihre Kunden irgendwas, in das sie gerade eben aus Versehen reingetreten sind – SOE ist da das beste Beispiel – dass das aber jemand dermaßen konkret verbal formuliert ist neu. Und weil man so was zwar denken, aber nicht laut sagen darf, wurde IainC auch prompt von ganz oben abgewatscht – lustig Mark meldete sich zu Wort und ließ verlauten, dass er IainCs Aussagen nicht so wirklich witzig fand. Wenn Sie mich fragen, gehört so jemand, reichlich mit Arschtritten bedacht, vom Hof gejagt. Denn im Umgang mit Kunden hat IainC, in dessen Kopf ganz offensichtlich Ost- und Westwind um die Wette pfeifen, sicher nichts verloren, wenn er ein bisschen Hitze nicht vertragen kann.

Immerhin – mit nur vier Tagen Verspätung hat man's dann auch bei GOA hinbekommen, dass jeder, der einen Key hatte, endlich an der Beta teilnehmen durfte – nur gut, dass die Open Beta volle sieben Tage dauerte. Inzwischen zeigt sich jedoch, dass GOA nichts gelernt hat, sondern immer noch glaubt, Kunden seien eine lästige Notwendigkeit im Dienstleistungsgewerbe. Gab man sich während der Open Beta zumindest noch ein wenig Mühe, fällt man nun, da man die Kohle sicher hat, wieder in alte Gewohnheiten zurück. Das "Herunterrotzen" der Server ohne vorherige Warnung ist zum Beispiel eine Angewohnheit, die GOA möglichst schnell ablegen sollte. Und wenn man schon dabei ist, sollte man auch gleich versuchen solche Geisterfahrer auf der Intelligenz-Autobahn von Verstand zu Sprachzentrum wie IainC loszuwerden.
So, und jetzt kommt der absolute – Warhammer, möchte man fast sagen – Vorbesteller der Collector's Edition durften vier Tage vor der Veröffentlichung die Server stürmen und Vorbesteller der normalen Edition ganze drei Tage. Damit unterbot Mythic mit seinem "Headstart" sogar die knauserigen sechs Tage des "AoC-Early-Access". Limitiert war das Ganze auch nicht, man hätte also auch am 15. September einfach die Server für alle öffnen können, denn welchen Sinn macht bitte schön ein "Headstart", wenn sowieso jeder daran teilnehmen kann…? Was soll's, immerhin verlief der Headstart nach Plan – man hatte sein Waterloo ja schon bereits in der Open Beta erlebt.
Ein Wort muss an dieser Stelle noch zur CE gesagt werden. Zugegeben, die ist zwar edel aufgemacht, das ist aber auch schon so das Beste, was man über sie sagen kann. Der beiliegende Comic erzählt die "Vorgeschichte" zu WAR und ist vom Niveau her so im Bereich "geeignet für Kinder von 1 bis 5 Jahren" anzusiedeln. Eigentlich schade, dass der Comic bunt ist, man hätte ihn schwarz-weiß lassen sollen, da hätten die Kleinen gleich noch was zum ausmalen gehabt. Also ganz ehrlich, was ist den das für ein total verblödeter High-Fantasy-Klischee-Kitsch, den man sich da bei Games Workshop zusammengekaspert hat? Ich hab Beipackzettel gelesen, die waren origineller...

Außerdem dabei: "Die Kunst von Warhammer Online"… ein Artbook halt. Das kennt man ja inzwischen – einmal reinschauen, dann in den Schrank stellen und zustauben lassen. Immerhin können Sie sich darin die Konzeptzeichnungen zu den Klassen und Städten anschauen, die eigentlich im Spiel drin sein sollten.

Und zum guten Schluss gab's auch noch eine Zinnfigur von Games Workshop, selbstverständlich in Einzelteilen und unbemalt… ein kaputtes Figürchen aus giftigem Metall – wer wünscht sich das nicht? Vielleicht hätte man ja, statt diesem ganzen wertlosen Ramsch auch mal was in eine CE packen können, was für die Spieler wirklich einen Nutzen hat. Also beispielsweise ein paar Kotztüten, wenn einem angesichts der totalen Einfallslosigkeit des Spiels später schlecht wird.

Ach so… natürlich, die Ingame-Gegenstände, ich vergaß… ja, die sind selbstverständlich super – super scheiße halt. Ich will Ihnen jetzt Details ersparen, aber zusammenfassend kann man wohl sagen, dass der Großteil der Gegenstände den Platz im Rucksack nicht wert ist, den sie verbrauchen.
Getopt wird das Ganze aber durch die 12 Bonus-Köpfe, denn als Besitzer der CE dürfen Sie Ihrem Avatar eine von 12 exklusiven Renderrüben auf den virtuellen Luxuskörper stülpen - immer vorausgesetzt, es macht Ihnen nichts aus, wenn Sie die anderen Spieler hinter ihrem Rücken auslachen.
Charaktergeneration
Die Charaktergeneration… *seufz*… Erinnern Sie sich noch dran, dass ich mal LotRO's (Der Herr der Ringe Online) Charaktererschaffung als rudimentär bezeichnet habe? Ok, wem will ich was vormachen – natürlich nicht, den Bericht hat eh keine Sau gelesen… wie dem auch sei, ich habe eigentlich nicht geglaubt, dass wir in einem zukünftigen MMO wieder etwas ähnlich Primitives sehen würden. So kann man sich täuschen. Um's verkürzt zu beschreiben: Welchen Avatar Sie sich auch immer zusammenbasteln, am Ende sehen die in WAR alle gleich scheiße aus. Details kann man erst gar nicht beeinflussen, stattdessen gibt's so vier bis fünf Standard-Hackfressen, denen man dann noch einen Kaiser-Wilhelm-Bart oder Räuber-Hotzenplotz-Schnurres anpappen darf und das war's… Frauen dürfen sich alternativ ein entzündetes Piercing oder auch zwei ins Gichtgesicht hängen oder sich ein "Fick Mich"-Tattoo auf die Stirn kleistern. Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Grafiker, der für die Erscheinung der Avatare verantwortlich ist, offenbar einen Geschmack hat der irgendwo zwischen Frankensteins Braut und Elefantenmensch anzusiedeln ist. Viele Gesichter sehen aus wie ein Pfund Gehacktes und viele Frisuren als hätten zwei schwule Vögel ein Nest gebaut.
Innovation: Null und fallend. Wenn Sie im Spiel dem Avatar gegenüber nicht gerade einen Eskimokuss verpassen, dann werden sie Unterschiede zu anderen Avataren kaum ausmachen können. Aus ein paar Metern Ingame-Entfernung sehen nämlich alle Avatare einer bestimmten Rasse annähernd gleich aus. Mein Rat: Wenn Sie nicht aussehen möchten wie ein transsexueller Matrose auf Landurlaub oder Tante Trude aus Buxtehude nach dem Gangbang, dann spielen Sie eine Grünhaut – zumindest die sind einigermaßen gelungen… und viel hässlicher als die anderen Rassen sind sie auch nicht.

Womit wir auch schon beim nächsten Problem wären. Denn auch was die Attraktivität der beiden Seiten des Konflikts angeht hat man sich bei Mythic nicht gerade mit Ruhm bekleckert, da die Ordnung ungefähr so sexy ist wie Omi mit Stützstrümpfen.

Aber WAR hat auch seine guten Seiten, was das Aussehen der Avatare angeht. Das muss an dieser Stelle mal ganz deutlich gesagt werden. Im Gegensatz zu WoW sehen diese nämlich im Endgame recht cool aus und nicht wie Pumuckls schwuler Schwippschwager nach der Elektroschockbehandlung. Dafür verantwortlich sind die durchaus hübschen Rüstungssets, die man, wie den ganzen Rest auch, aus WoW übernommen hat. Hätte man denen nicht solche Trümmertexturen verpasst, die bei näherem Hinsehen den Eindruck machen, als sei dem Designer kreative Antimaterie über die Konzeptzeichnungen gelaufen, dann wäre das jetzt echt mal etwas gewesen, was man hätte loben können.

Immerhin kann man in WAR seine Rüstung einfärben. Eigentlich ein klasse Feature, hätte man die Palette, welche die NPCs in WAR offerieren, nicht auf Farben wie „zurückgewürgtes Brackwasser“ und „Babynahrung, Alete erbrochen“ beschränkt.

Grafik

An dieser Stelle ein kleiner Tipp von mir an Sie: Wenn Sie sich das erste Mal bei WAR einloggen, dann bitte nicht erschrecken – das viele Masturbieren ist Ihnen nicht etwa auf die Augen geschlagen. Nein, was Sie dann da sehen ist das, was Mythic Ihnen im Jahr 2008 als zeitgemäße Grafik verkaufen möchte. Von "AWESOME!!!" kann hier wohl kaum die Rede sein. Zugegeben, vom Artwork, also der künstlerischen Gestaltung her, sieht WAR zumindest annehmbar aus. Was die Grafikengine angeht, so erinnert das Ganze aber dann doch sehr an das nun fast vier Jahre alte WoW. Mit Texturen niedriger Auflösung, Bitmap-Bäumen und nicht animiertem Grass, erweckt diese Pixel-Polenta den Anschein, als könne man sie auch auf einem umgebauten Casio-Taschenrechner mit mehr als 20 FPS spielen. Damit mich jetzt niemand falsch versteht – ich persönlich brauche kein Spiel das daherkommt wie ein Topmodell im knappen Bikini, sich aber auf dem Laufsteg bewegt wie Quasimodo. Es muss aber auch kein sechzig Jahre altes Modell für XXL-Bademoden sein, das aussieht, als habe es bereits eine Zwölflingsgeburt per Kaiserschnitt hinter sich.
Aber an dieser Stelle möchte ich auch mal ein Lob an Mythic aussprechen. Dass man es hinbekommen hat, dass WAR trotz dieser Gulaschgrafik selbst auf High-End-Rechnern zuweilen noch ruckelt (im Englischen als "Hitching" bezeichnet), das ist schon eine absolute Meisterleistung. Woran das liegt? Keine Ahnung – fragen Sie doch mal einen Entwickler von Mythic. Ich schätze mal, der wird Ihnen dann erzählen, dass das nix mit WAR zu tun hat, sondern dass Ihr Computer unter Schluckauf leidet…
Eines sei zur Ehrenrettung der Engine von WAR allerdings gesagt: Lieber tue ich mir noch diese Grafik-Grütze aus der 8-Bit-Hölle an als das V-Sync-Verbrechen Age of Conan.

Animation
Was viele Menschen nur aus dem Mallorca-All-Inclusive-Urlaub kennen gibt es auch in Computerspielen! Und hier muss man einfach mal sagen: Alle Achtung, Mythic – WAR darf sich mit Fug und Recht als erstes Massively Multiplayer Online Roboter Playing Game bezeichnen. So geschmeidig bewegen sich sonst nur Zombies mit Querschnittslähmung und Duracel-Häschen nach dem Liebesspiel mit einer Steckdose. Vielleicht hätte man zur Entwicklung der Animationen jemanden einstellen sollen, der wie der Rest der Menschheit 25 Bilder pro Sekunde als normal empfindet und nicht mit zwei bis drei auskommt...

Gameplay
Das Problem ist, dass WAR irgendwie von allem weniger hat als alle anderen Games: weniger Rassen, weniger Hauptstätte, weniger Stufen, weniger Handwerksfertigkeiten… ok, Klassen da hat man angeblich mehr, das Problem ist bloß, dass die sich dermaßen langweilig spielen, dass man nach zehn Minuten WAR Probleme hat die Augen offenzuhalten – ich jedenfalls bin schon mehrmals eingepennt und hab' mir im Schlaf die Tastatur zugesabbert. Noch wesentlich stärker als bei WoW hat man dafür gesorgt, dass auch Menschen mit Einschränkungen, also zum Beispiel solche, die im Koma liegen oder bei Ten Ton Hammer arbeiten, das Spiel völlig problemlos spielen können. Dynamik und Komplexität des PVE-Spiels verdienen somit das Prädikat "auch spielbar von halben Grillhähnchen". Bei meinem Ork (Stufe 31, Closed Beta) reichte das wiederholte Drücken von vier bis fünf Hotbuttons vollkommen aus, um Gegner gleicher Stufe in Rekordzeit ins virtuelle Nirvana zu schicken.
Der Kampf in WAR, sowohl PvE als auch PvP, verkommt zum drögen Knöppedrücken für Fortgeschrittene. Sich eine Fahrkarte an einem Automaten der Bahn zu ziehen ist deutlich anspruchsvoller und die Knöpfe reagieren in aller Regel auch schneller.
Die ganzen asiatischen Athleten, die sich nach Olympia nun wieder ihren Lebensunterhalt als MMO-Goldfarmer verdienen müssen, wird's glücklich machen, da WARs "übersichtliches" Kampfsystem die Botprogrammierung äußerst vereinfachen dürfte. Ja, da freuen wir uns doch jetzt schon drauf, wenn's wieder heißt: "ni hau! du wolle gold kaufe? habe klein penis? du brauche epic mount – mache größer!" Das wird ein Spass…

WARs Klassen sind einfach zum Gähnen. Mal von der dubiosen Auswahl abgesehen, ist die Art und Weise wie diese sich spielen schlicht stinklangweilig. Fast jede Fertigkeit, die der Charakter im Laufe der Zeit erlernt, hat direkt oder indirekt irgendetwas mit Schaden oder Heilung zu tun. Die sogenannten "Gebrauchsfertigkeiten", also jene Fertigkeiten, die einer bestimmten Klasse ihr Profil verleihen, sucht man in der Regel vergeblich (zum Beispiel das Herbeibeschwören anderer Spieler durch einen Hexenmeister in WoW). Stattdessen wird man mit Fertigkeiten nach dem Schema "verursacht xxx Schaden" oder "heilt für xxx" zugeballert, je nachdem, ob man nun gerade eine offensive oder defensive Klasse spielt. Natürlich hat man sich auf diesem Gebiet nichts, aber auch absolut nichts Neues einfallen lassen, sondern einfach nur althergebrachte Mechanismen aus anderen MMOs übernommen – dass WoW hier in verstärktem Maße Pate stand, versteht sich von selbst. Mir schläft schon wieder die Maushand ein, wenn ich nur an diesen Fingerfick denke, den Mythic als Gameplay bezeichnet.
Wenn Mythic lauthals tönt, man habe zwanzig "einzigartige" Klassen, dann glauben das auch nur Menschen, die mit Nasenbluten in haifischverseuchtes Gewässer schwimmen gehen. Einzigartig langweilig vielleicht... aber ganz sicher nicht unterschiedlich. Das ist so ein schnöder Einheitsbrei, den Mythic da abgeliefert hat, dass es sich kaum lohnt darüber zu reden.
Auch die Charakterentwicklung bzw. das Anpassen des eigenen Charakters sind für den Spieler ähnlich spannend wie Eisstockschießen für Blinde. Talentbäume wie bei WoW gibt es nicht wirklich, dafür Talentleitern, die man einfach von unten nach oben "abgrast" und dabei weitere "verursacht xxx Schaden"-Fähigkeiten erwirbt. Anpassen kann man den eigenen Charakter mit den ausnahmslos passiven Taktiken, die dann Fähigkeiten oder Attribute verbessern – wirklich aufregend ist das allerdings nicht. Angesichts der Tatsache, dass WARs Klassen insgesamt so spannend sind wie Hochseeangeln im Hallenbad, legt Mark Jacobs' Aussage, man habe vier Klassen rauskürzen müssen, weil man sie nicht genauso großartig hinbekommen habe wie die anderen Klassen, den Verdacht nahe, dass sich der Typ sein Koks durch's Staubsaugerrohr in die Birne zieht. Was soll denn daran bitte so verdammt schwierig sein, zu zwanzig Klassen, die sich alle annähernd gleich langweilig spielen, noch vier ebenso langweilige Klassen hinzuzufügen?

Ich kann gar nicht genug betonen, wie sehr die absolute Gleichförmigkeit der Klassen dieses Spiel kaputtmacht. Stellen Sie sich vor man würde sämtliche Klassen in WoW ihrer sie definierenden Aspekte und Fertigkeiten berauben - also Hexenmeister ohne Furchtzauber und Gesundheitssteine, Jäger ohne Fallen, Schamanen ohne Totems, Paladine ohne ihre Schildzauber – was dann dabei herauskäme wäre WAR. Alle Klassen machen entweder Schaden oder einen Mix aus Schaden und Heilung. Das war's dann.
Begründet hat man dies ursprünglich damit, dass WAR stark PvP-lastig ist und solche Fertigkeiten grundsätzlich das Spiel aus der Balance bringen. Stimmt sogar… leider ist die Alternative, nämlich diese Fertigkeiten einfach wegzulassen, ein absoluter Spaßkiller – sowohl für PvP als auch für PvE. Gerade gutes PvP besteht aus Maßnahmen und Gegenmaßnahmen. In WAR jedoch besteht PvP nur aus Aktion ohne Reaktion. Ich laufe zu meinem Gegner hin, haue alles an Schaden raus, was ich habe und wenn's reicht, schaut der sich für die nächsten 5 Sekunden die Radieschen von unten an. Die Dynamik, die im WoW-PvP dadurch entsteht, dass ich zum Beispiel darauf reagieren muss, wenn mein Gegner mich mit einem Angstzauber belegt, in ein Schaf verwandelt oder mich in einer Falle festhält, wenn er plötzlich ein undurchdringliches Schild erschafft, das ihn sekundenlang unverwundbar macht oder ständig von einer Tierform in eine andere wechselt, geht bei WAR gänzlich verloren, da solche Dinge dort kaum existieren. Stattdessen gibt's in WAR den Zerg, der sich auf eine einfache Formel bringen lässt:

Schaden Spielerfraktion x - Heilung Spielerfraktion y > Schaden Spielerfraktion y – Heilung Spielerfraktion x = PWNED!

Überhaupt hat man in WAR alles, was man bereits aus WoW kannte, noch einmal ein gutes Stück weit simplifiziert. Rasten muss man gar nicht mehr und das Verbinden der Wunden fällt auch flach, weil sich die eigene Lebensenergie nach dem Kampf in Rekordzeit wieder auffüllt. Auch das Warten auf das Wiedererscheinen getöteter Gegner hat man derart verkürzt, dass es ähnlich lange dauert, wie das Liebesspiel von Teenagern, die zum ersten Mal Sex haben – also zwischen einer halben und einer ganzen Minute. Oder einfacher gesagt, die Respawnrate als saudämlich zu bezeichnen geht im Falle von WAR fast noch als Kompliment durch.
Wie sagte Olnigg – WAR, das sei wie Fast Food – also Essengehen bei McDonals oder Burger King quasi. Für mich sieht WAR streckenweise schon eher aus wie der Schiss danach, man fühlt sich allerdings weniger erleichtert. Das ist alles so einfach gehalten, dass es schlichtweg keinen Spaß mehr macht.

Auch klasse gelungen ist das Aggro-Verhalten der Mobs. Diese sind nämlich für ein Spiel, in dem es vornehmlich um Krieg geht, im Allgemeinen recht zahm geraten. Für Sie als Spieler ist das natürlich super. In WAR kann daher Ihr Ork einem Hochelfen unter Zuhilfenahme seiner Zweihandaxt eine Intimrasur verpassen, ohne dass seine Langohrkumpane, die ein paar Schritte entfernt stehen und sich die Eier schaukeln, irgendwelche Anstalten machen da einzugreifen.


Wie kein anderes Unternehmen zuvor hat es Mythic versäumt die Bestie Kreativität aus der Höhle zu locken... vielleicht hätte man mal einen frischeren Köder nehmen sollen als das vier Jahre alte WoW. Statt Innovation bietet WAR Konzepte an, die bereits so assbachuralt sind, dass das Ganze schon was von Leichenschändung hat. Wenn ein Faultier vom Baum fällt, dann legt es dabei in aller Regel mehr Kreativität an den Tag als das Mythic bei der Programmierung dieser MMO-Müllhalde für ausgelutschte Armleuchterkonzepte aus der Computerspieleentwicklerkrabbelgruppe getan hat.
Von RvR, öffentlichen Quests und dem Wälzer des Wissens
Scheiß die Wand an! Was hat Mythic einen Balztanz aufgeführt, um diese Features Marke "Minimalinnovation" zu pushen. Na ja, fangen wir mal mit dem RvR an… Realm vs. Realm… oder auch Reich gegen Reich… hehe, da kennen wir Deutschen uns doch aus, müsste uns doch eigentlich gefallen – Problem ist halt nur, dafür ist das alles wiederum einfach nicht organisiert genug. RvR klingt einfach cooler als Zerg, im Grunde ist es aber mehr oder weniger der gleiche Ringelpietz. Schlecht ist das nicht wirklich, einen gewissen Spaßfaktor möchte ich dem auch nicht absprechen, das von Mythic versprochene Viagra für's Zockergenital ist es aber eben auch nicht. Ja, ja, man hat's aber auch als Spielentwickler nicht gerade leicht mit dem ganzen überkritischen Gamerpack. Viele Spieler gehen viel zu negativ an ein neues Spiel ran. Nehmen Sie zum Beispiel Mythics Aussage man könne Stufe 40 auch nur mit Hilfe des PvP-Spiels und ganz ohne Monstermeucheln erreichen. Da mögen Sie jetzt in Ihrer pessimistisch-negativen Art fragen: "Ist das denn wirklich möglich?". Die korrekte Frage ist allerdings: "Haben Sie die nächsten zehn Jahre außer WAR schon was vor?". Wenn die Antwort bei Ihnen "Nein, meine Existenz habe ich mir bereits zu meiner WoW-Zeit ruiniert" oder so ähnlich lautet, dann dürfen Sie sich jetzt freuen und schon mal den Katheter einführen – Sie werden sich nämlich die nächsten paar Jahre nicht mehr aus Ihrem Schreibtischstuhl erheben müssen!

So, was gibt es noch zum PvP zu sagen...? Ah, ja – Balance! Wie ein Hochseilakrobat nach dem Genickbruch. Einfach abartig wie Mythic diese völlige Abwesenheit von Balance, was die Stärke der einzelnen Klassen anbelangt, trotz intensivem Betatest dann doch noch hinbekommen hat. Aber macht ja nix, man hat ja jetzt reichlich Zeit da ordentlich dran rumzuschrauben und das den Leuten dann als "neuen" Content zu verkaufen. So ein Bohei ums PvP veranstalten und dann ist eine Ausgewogenheit zwischen den Klassen noch nicht einmal ansatzweise vorhanden? Respekt – da hätte sich selbst Funcom wahrscheinlich noch anstrengen müssen, um das so hinzubekommen. Überhaupt - die beiden Unternehmen, Funcom und Mythic, die sollten sich echt zusammentun und einen Friedhof für gebrochene Versprechen und bekloppte Ideen eröffnen, da würden sie wahrscheinlich mehr Kohle mit machen wie mit diesen Online-Unfällen Marke "noch an Ort und Stelle verstorben".

Auch ganz was Exquisites aus der gruseligen Ideengruft, die Mythic zuweilen aufgemacht hat, um die Logik-Leichenfresser und Gaga-Ghule aus der Designabteilung auf das Spiel loszulassen ist die sogenannte Chicken-Mechanik. Betritt man nämlich als Charakter in WAR ein Gebiet, in dem man für den PvP-Kampf geflaggt wird, so wird man umgehend in ein Hühnchen verwandelt, sollte die eigene Stufe schlicht zu hoch sein. Zugegeben – grundsätzlich ist der Gedanke ja gar nicht so schlecht, dass hochstufige Charaktere nicht in der Lage sein sollten Newbies zu töten, aber wie so oft, hat sich Mythic einmal mehr für die Griff-ins-Klo-Variante aller möglichen Problemlösungen entschiedenen...

Ein weiteres Glanzlicht in Sachen Deppendesign betrifft Mythics Open-RvR-Server. Da man dort ja konstant für das PvP-Spiel geflaggt ist, wird man auf diesem Servertyp sofort in ein Huhn verwandelt, wenn man eins der niedrigen Tiers betritt, ganz unabhängig davon, ob man sich nun in einer RvR-Zone befindet oder nicht. In der Konsequenz bedeutet dies, dass mal so rund zwei Drittel aller Spielinhalte in WAR für hochstufige Charaktere komplett flachfallen. Gratulation Mythic! Der Preis für die geisteskränkste Idee in Sachen Spieledesign ist Euch damit sicher. Preisverleihung ist leider erst am 11.11. – bis dahin haben wir auch den Preis in Form einer extra engen Zwangsjacke fertig geschneidert…
Tja, wäre schon schön gewesen, wenn so der ein oder andere Designer bei Mythic sein Gehirn mal aus dem Dauerurlaub zurückgeholt hätte, bevor er solch dubiose Entscheidungen trifft, aber irgendwie hatte ich damit auch gar nicht wirklich gerechnet. So kann's halt gehen, gestern noch Wurstwender bei der Pommesbude um die Ecke, heute schon Lead-Designer bei Mythic

Und dann gibt es da noch die öffentlichen Quests – diese wurden in der Presse selbstverständlich hoch gelobt, fallen sie doch so in die Kategorie "banal, anal, casual " und das kommt in Journalistenkreisen eigentlich immer gut an. Tatsächlich ist das aber ein dolles Spielelement, welches sich an die ganzen, im ursprünglichen Sinne des Wortes, asozialen Subjekte wendet, die sich zunehmend in MMOs tummeln. Man hat keinen Bock zu groupen, zu raiden oder sich sonstwie mit anderen Menschen abzugeben, da liegt es natürlich nahe, dass man als Spiel der Wahl zu einem Massively Multiplayer Online Rollenspiel greift… ist ungefähr so, als ob man in den Puff geht, hundert Euro abdrückt und sich dann dort selbst einen runterholt…

Öffentliche Quests sind ein Feature, das man eine Seite lang voller Enthusiasmus beschreibt, dann zieht man dicken Strich unter das Ganze und schließt mit den Worten ab: Das braucht eigentlich keine Sau. Ich will Ihnen die Details ersparen, letztendlich geht es aber um das Grinden von "Einfluss", den man später gegen Ausrüstung eintauschen kann. Wenn Sie jetzt denken "das gab's doch schon in WoW", dann bedeutet dies, dass Sie überdurchschnittlich verblödungsresistent sind.

Grind - den sollte es übrigens, laut Mythic gar nicht geben. Ok, jetzt steht solchen Spielinhalten wie etwa Öffentlichen Quests und dem Ruf-System der Grind geradezu auf der Stirn geschrieben, aber daran müssen ja nicht teilnehmen, denn WAR bietet doch soooooooviel mehr, was Sie tun können. Zum Beispiel… … … zum Beispiel… … … zum Beispiel… … … ah ja, genau: der Wälzer des Wissens. WAR kommt nämlich mit einer eigenen Enzyklopädie der Warhammer-Welt daher. An dieser Stelle möchte ich ganz kurz das Wort an die Entwickler von WAR richten: WENN ICH EIN SCHEISS BUCH LESEN WILL, DANN KAUF ICH MIR EINES, IHR PAPPNASEN! Da brauch ich dann nämlich nur einmalig 13 Euro abzudrücken und nicht monatlich. Aber was red' ich, der Wälzer des Wissens ist ja nicht nur ein einfaches Buch: Zum Beispiel listet er die sogenannten Errungenschaften auf… gut, die Errungenschaften, das sind jetzt auch solche Spielinhalte wie "Erschlage 1.000 Orks" oder "Sammle 10.000 Einfluss", also auch wieder der übliche Grind. Aber Mythic hat sich wohl zwischen Guten-Morgen-Vodka und Frühstücks-Fernet-Branca gedacht "wir müssen den Leuten nur oft genug erzählen, dass Nahrung und Scheiße im Prinzip das gleiche ist, eben nur in verschiedenen Zuständen und dann fressen die auch lecker Kot!".
Der PvE-Part von WAR gestaltet sich ähnlich spannend und motivierend wie dem eigenen Fußpilz beim Wuchern zuzusehen. Daran wird auch der Wälzer des Wissens nichts ändern. Zugegeben, das Konzept eines Buchs, das dem Nutzer die Geschichte und Welt des Spiels näher bringt, ist gar nicht mal schlecht, nur muss dann da eben auch etwas Sinnvolles drinstehen. Die Realität in WAR sieht allerdings so aus, dass sich viele Einträge im Wälzer auf wenige, nichtssagende Sätze beschränken.

Die Hauptstädte
Ich habe ja bereits darauf hingewiesen, dass von sechs anfangs geplanten Städten lediglich zwei ab Release im Spiel zu finden waren und immer noch sind. Wann denn die anderen kommen werden, weiß wahrscheinlich noch nicht einmal Mythic selbst. Auch hier hatte man dem Konsumenten ja eine noch nie gekannte Qualität versprochen. Da war von "massiv" die Rede und von "lebendigen und atmenden" Städten. Ganz ehrlich, wenn ich mir dieses Gesülze vor Augen führe und mir dann die Hauptstädte in WAR anschaue, dann muss ich immer an Johannes Hesters denken – wenn der auf der Bühne rumwankt, dann denk' ich auch immer. "Klar, er bewegt sich... ob er allerdings lebendig ist oder atmet, da bin ich mir jetzt nicht wirklich sicher". Und so ist das eben auch mit WARs Hauptstädten. 90 Prozent der Zeit hat man einfach nur den Eindruck, dass dort nichts geht. Die Quests, die es dort gibt können sich selbst Sägewerkmitarbeiter an zwei Händen abzählen. Die NPCs stehen motivationslos rum und haben nichts Wichtiges oder Interessantes zu erzählen. Die Händler verkaufen denselben Mist, den ich auch überall sonst zu kaufen bekomme. Mythic hat es nicht einmal hinbekommen, den verschiedenen Tavernen ein unterschiedliches Aussehen zu verleihen. Und das soll mich jetzt vom Hocker reißen? Die Hauptstädte in Everquest 1 waren lebendiger als das, was Mythic uns da auftischt. Wenn diese Online-Örtchen des organisierten Langeweile-Link-Death wirklich so geplant waren, dann verzichte ich dankend auf die restlichen vier.

Quests
Warhammer, das heißt für mich für allem Originalität – und genau hier patzt WAR so richtig dolle. Das, was dort an Story geboten wird ist der übliche Mix aus Fantasy-Klischees und kindischem Humor a la WoW, den ich geradezu unerträglich finde. Die Quests sind gelinde gesagt einfach nur schlimm. Ich habe echt versucht mir die Texte durchzulesen, musste aber einfach nach einiger Zeit aufgeben, weil ich Sätze wie "Hallo Moxiboo, wir müssen das Imperium unterwerfen! Geh und töte zehn Ratten!" noch nicht mal mehr besoffen ertragen kann. Diese ganzen, völlig fragmentierten Miniquests, die vom Storyniveau noch unter dem eines Arztromans liegen, bin ich einfach nicht mehr gewillt mir anzutun. Ich will gar nicht mal bestreiten, dass es sicherlich auch in WAR so das ein oder andere Juwel an Quest gibt, dieses zu finden gleicht aber der Suche nach dem heiligen Gral.
Mythic hätte gut daran getan ein paar von den ganzen Pausenclowns, die ständig ihren Gesichtsfasching in die Kamera halten, rauszuschmeißen und dafür ein oder zwei gute Storyschreiber einzustellen.

Noch mehr Gameplay
WAR, das ist ein einziges großes Erfolgserlebnis. WAR – ein Spiel, in welchem sich, nach Bekunden der Hersteller, alles um Krieg dreht und das auch noch in einer furchtbar düsteren und gemeinen Welt, kommt daher wie ein Ponyhof mit angeschlossenem Streichelzoo. Stirbt man, dann erhält man lediglich einen kurzzeitigen Debuff, den man aber gegen entsprechende Bezahlung beim Heiler um die Ecke wieder loswerden kann. Und weil WAR so flauschig wie ein Weichspüler ist, steht der Heiler meist auch direkt dort, wo ich nach dem unfreiwilligen Ableben wieder respawne. Zur Leiche zurücklaufen oder sogar einen XP-Abzug, das existiert in WAR selbstverständlich nicht – Gott bewahre, da könnte man ja so zwei bis drei Gipsgehirne als Kunden verlieren, wenn die plötzlich frustriert aufgeben.
Ausrüstung, sowieso die schönste Nebensache der Welt in WAR, gibt's reichlich und in allen Farben des Regenbogens. Während in WoW die Farbe noch zumindest ein wenig auf die Qualität des Gegenstandes schließen ließ, wird man in WAR mit blauen und violetten Gegenständen schon ab Stufe 1 dermaßen zugemüllt, dass man glatt meinen könnte, die Mobs in WAR hätten das ganze Jahr über Winterschlussverkauf. Selbstverständlich muss man die auch nicht reparieren... das würde ja Gold kosten. Und Gold das braucht der Spieler doch, um sich auf Stufe 20 sein Reittier zu kaufen, das so spottbillig ist, dass man es sich selbst bei Veruntreuung der Einnahmen im Lehman Brothers-Stil noch locker leisten kann. In Altdorf sieht man jetzt schon die ersten Aufmärsche von chinesischen Goldfarmern, die ingame protestieren, weil sie Angst haben ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

Fanboys
Natürlich wie immer mit dabei: das ganze Analgeschwader an Fanboys, welches Mythic ständig um die Kackluke rumbrummt, um selbst den größten Haufen, den die absondern, gegen jegliche Kritik vehement zu verteidigen. Und weil Fanboys ja immer so ein wenig simpel gestrickt sind, haben sich die Hobbyhirnnutzer ein Argument zurechtgelegt, das mit vorrübergehender Blutarmut im Oberstübchen alleine schon nicht mehr zu erklären ist:

Da hat man ja den ganzen Fanboys einen schönen Floh ins Ohr gesetzt. Das werden wir jetzt wohl immer zu hören bekommen, wenn irgendwas fehlt oder nicht funktioniert. Überhaupt, hat nach deren Ansicht Mythic alles richtig gemacht. Liest man sich die Foren auf WAR-Welten und Konsorten durch, dann ist es vollkommen in Ordnung erst mal ein Produkt auf den Markt zu werfen und es dann nachher fertigzustellen. Das "die patchen besonders schnell"-Argument konnte man genau so übrigens auch in den AoC-Foren lesen. Liebe Fanboys – wenn Entwicklerfirmen nach der Veröffentlichung eines Spiels patchen wie klein Kläuschen nach einer Überdosis Fruchtzwerge, dann ist das nicht etwa ein Qualitätsmerkmal, sondern bedeutet lediglich, dass sie zuvor mal wieder rumgeschlampt haben.
Was das Fanboytum angeht, hat WAR, nach AoC, nochmals neue Maßstäbe gesetzt. Denn während andere Spiele ihre eigenen Fanzines haben, hat WAR FrontLINE. FrontLINE, das sind ein paar ganz rabiate Teenager, die sich in den Kopf gesetzt haben, dass sie zwischen "Pickel ausdrücken" und "sich mit dem Skateboard auf die Fresse legen" auch noch die restliche Welt mit ihrer besonders bekloppten Berichterstattung über WAR belästigen müssen. Dabei versuchen sie stets lustig rüberzukommen, da sie ihren Humor aber bei Buffed.de geklaut haben, sind sogar Darmparasiten witziger als diese Zoten-Zombies aus der Fips-Asmussen-Gedächtnis-Geisterbahn.

Offizielle Foren
Offizielle Foren zum Spiel wird es übrigens nicht geben, denn an der Meinung der Spieler ist Mythic ganz offensichtlich nicht interessiert. Wozu auch? Kunden – die sind doch wie Scheiße am Schuh, die bringen zwar Glück (in Form von reichlich Geld), man wird sie aber so schlecht wieder los und rumstinken, pardon, rumstänkern tun sie auch noch. Wie sehr sich Mythic, um das kümmert, was Spieler denken und wo genau ihnen das vorbeigeht, konnte man schon in der Beta beobachten. Da hatte man zwar offizielle Foren, in denen sich die Betatester austoben durften, man selbst hat aber durch Abwesenheit geglänzt – will heißen: Feedback gab's keines. Überhaupt ist das ja mit Betatestern auch so eine Sache… die stellen nämlich im Organismus eines MMOs den Blinddarm dar. Irgendwie hat sie jeder, brauchen tut man sie nicht wirklich und zuweilen tun sie dann auch noch weh, nämlich wenn sie mal wieder rumnörgeln, weil ihnen irgendwas nicht gefällt.
Also wie gesagt, offizielle Foren wird es keine geben – wieso auch, das wäre ja ein Zeichen von Respekt gegenüber den Kunden. Stattdessen arbeitet man mit irgendwelchen Fansites zusammen... so postet der deutsche Community Manager Sterntaler (nee, is' klar, wenn ich der deutsche Community Manager eines Spieles namens Warhammer bin, in dem es um Krieg, Chaos und Mutationen geht, geb' ich mir natürlich den Spitznamen Sterntaler – ging's eigentlich nicht noch schwuler... Prinzeschen Sternenstaub vielleicht?) regelmäßig auf WAR-Welten. Wenn Sie also keine Lust haben, sich Ihre Informationen auf irgendwelchen Fanboysammelstätten zusammenzusuchen, sind Sie also angeschissen. Aber es gibt ja immer noch die tolle Flash-Seite von GOA...

Fazit
Am Ende eines Berichts erwarten die Leser ja immer so etwas wie ein Urteil. Im Falle von WAR gestaltet sich das schwierig. WAR ist so sehr ein Abklatsch althergebrachter MMO-Spielemechaniken, dass es Ihnen schon fast gefallen muss, wenn Sie immer noch mit Freude WoW spielen. Mir persönlich ist das aber einfach alles zu wenig. Keine Innovation und auch keine Verbesserung bereits bekannter MMO-Elemente – das sollte einfach nicht das Ziel von Spieleentwicklern sein. Noch nie wurde mir ein MMO so schnell langweilig wie WAR. Ich hatte ständig das Gefühl schon alles zu kennen und das auch schon mal gespielt zu haben. Um auf meinen Restaurantvergleich von am Anfang zurückzukommen: Ein Gericht aus den Abfällen vom vorherigen Tag zusammenzuschustern mag zwar funktionieren, wie Abfall wird es dann aber eben trotzdem schmecken. WAR ist kein schlechtes Spiel, es ist aber anspruchslos... sowohl entwicklerisch als auch spielerisch. Mythic will einfach nur so gut sein wie Blizzard - besser zu sein, das steht einfach nicht auf dem Programm. WAR ist langweilig, nicht innovativ und völlig uninspiriert. Schon jetzt widert mich Mythics Einstellung an, alles zu tun, was mehr Abonnenten bringt. War vor der Veröffentlichung noch von einer jährlichen Erweiterung die Rede, so hat Mark Jacobs diese Aussage in einem neuen Interview mit gamesindustry.biz schon wieder relativiert. Bei WoW ging es ja auch mit weniger, deshalb müsse man darüber noch einmal nachdenken. Da kann man sich schon denken, wohin die Reise geht. Eigentlich sollte es ja auch alle zwei bis drei Monate ein kostenloses Content-Update geben, doch wer will angesichts solcher Statements daran noch glauben. Getreu nach dem Motto "Harte Arbeit hat zwar noch niemandem geschadet, aber wieso ein Risiko eingehen" wird auch Mythic, genau wie Blizzard, versuchen mit möglichst wenig Aufwand möglichst viele Spieler zu binden und den eigenen Profit zu maximieren. Ich wünsche Mythic, dass dieser Plan gründlich daneben geht, denn offensichtlich ist es ja inzwischen so, dass sich nur die Unternehmen der Branche anstrengen, deren Abonnentenzahlen nicht nur im Keller, sondern schon im Gewölbe darunter sind.
Was mich aber vielleicht am allermeisten ärgert ist, dass die Warhammer-Lizenz in den Händen von Mythic zum üblichen Fantasy-Kitsch verkommt. Von der "Grim World of Perilious Adventure" wie Games Workshop einst sein P&P-Rollenspiel untertitelte, ist nichts übrig geblieben. Genauso gut hätte sich Mythic jede x-beliebige High-Fantasy-Lizenz schnappen können. Dass man jetzt sogar anfängt lustig an der Lore rumzufuschen zeigt mir, dass nicht nur Mythic, sondern auch Games Workshop den Erfolg mit allen Mitteln herbeizuführen versucht. Es geht nicht um eine authentische Repräsentation der Warhammer-Welt, sondern um Hartgeld, welches in möglichst Dagobert-Duckschen Mengen eingefahren werden soll. Dazu setzt man vor allem auf Spielmechaniken, die zwischenzeitlich bereits so oft wiederbelebt wurden, dass man sie schon als untot bezeichnen kann. Mythic hat im wahrsten Sinne des Wortes ein Massengrab der Innovation programmiert. Mal wieder hat man ein Spiel auf den Markt gebracht, was ja über ach so viel Potenzial verfügt. Wenn Sie dazu bereit sind 13 Euro monatlich abzudrücken, damit sich die Entwickler von Mythic in den nächsten Jahren auf die Suche nach selbigem begeben können, dann tun Sie sich keinen Zwang an, ich bin es jedenfalls nicht.
WAR, das Spiel, von dem sich viele Fans versprochen haben, dass es einem Orkan gleich frische Luft in die miefige MMO-Szene bringen wird, kommt jetzt plötzlich daher wie ein laues Lüftchen und riecht auch noch nach altem Bierfurz… na klasse. Was soll’s, die nächste Online-Abzocke für alle Freunde des gepflegten Beschissenwerdens steht ja schon in den Startlöchern! The Chronicles of Spellborn erscheint nämlich bereits am 27. November. Angesichts der Tatsache, dass das Spiel zehn Tage nach WotLK veröffentlicht wird, wäre vielleicht der Titel The Chronicles of Deadborn (oder Stillborn) passender gewesen. Ich werde Sie jedenfalls auf dem Laufenden halten – auch wenn ich ein bisschen Angst habe, dass meine Kreditkarte demnächst einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen mich stellt.

Ich habe fertig...