Überhaupt hatte man so das Gefühl, dass die fünf Popstars-Juroren nicht wirklich wegen ihrer Kompetenz ausgewählt wurden. So wurde Kandidatin Kemi in einer der letzten Folgen frühzeitig aus dem Popstars-Irrenhaus entlassen... nein, nicht etwa, weil sie ständig rumzickte und sie keiner der anderen Kandidaten leiden konnte, sondern weil sie, laut Jury, nicht in das Konzept der Band passte. Schön, dass die Jury gleich mehrere Wochen benötigte um das festzustellen... aber was soll’s, D! und seine 4 apokalyptischen Reiter haben ja auch fünfzehn Folgen gebraucht, bis ihnen dämmerte, dass sich das Lispeln von Fabrizio, als für einen Sänger unvorteilhaft herausstellen könnte...
Man kann es gar nicht oft genug sagen: „Deutschlands heißester Live-Act“ wurde gesucht... und, wenn man sich so einige der männlichen Tänzer anschaute (Medih, Diego und Aziz beispielsweise), dann hatte man immer so das Gefühl, dass die Chancen nicht schlecht standen, dass das zumindest „Deutschlands wärmster Live-Act“ wird und das ist ja schon mal nahe dran.
Bevor mich jetzt gleich wieder aufgeregte E-Mails erreichen, mit der Kritik, ich hätte wohl was gegen Homosexuelle, will ich hier direkt klarstellen, dass dem keineswegs so ist. Zugegeben, ich haue zwar zuweilen schon mal so den ein oder anderen Spruch in dieser Richtung raus, sehe mich, aber in meiner Rolle, als durchschnittlicher, deutscher Mann als potentiell lesbisch an – ich kann daher also gar nix gegen Homos haben. Was ich allerdings einigermaßen zum Würgen finde, ist, dass hier eine Band bewusst, nach einem Muster zusammengeschraubt wird. Denn sind wir ehrlich, was wären denn all die großen Boy- und Girlbands ohne ihre homosexuellen Mitglieder? Da hat die Presse ordentlich was zu spekulieren und man bleibt im Gespräch, sprich oben in den Charts... speziell, wenn man so ein bisschen vage bleibt, welches Geschlecht man denn jetzt gerne im Bett hat. Und wenn es dann plötzlich nicht mehr so gut läuft, dann kommt die große Enthüllung dessen, was eh schon jeder wusste... außer natürlich die ganzen zwölfjährigen Mädchen, für die plötzlich eine Welt zusammenbricht, weil sie jetzt doch keine Kinder mit Medih haben können. Da sieht man förmlich schon die Schlagzeile: „Medih: Ja, ich bin Schwul“ – Wer hätt’s gedacht? Gibt ja auch so viele heterosexuelle, tanzende Friseure... Überhaupt sind Schwule in der Kunst (ich weiß – grenzwertiger Begriff, wenn’s um „Popstars“ geht) immer ein Kracher. Wie sagte mal eine Schulfreundin im zarten Alter von sechzehn zu mir, „Schwule sind besonders kreativ – viel kreativer als heterosexuelle“. Ich persönlich vertrete ja die Meinung, dass Schwule besonders schwul sind und viel schwuler als Heterosexuelle und nicht mehr oder weniger kreativ, aber wollen wir es meiner Freundin verzeihen, schließlich war sie in der Pubertät. Während Jungs in der Pubertät nämlich rund um die Uhr einfach nur geil wie Nachbars Lumpi sind, sind Mädchen in der Pubertät rund um die Uhr dämlich... das hat der liebe Gott extra so gemacht, hätten Teenager nämlich alle ihre Sinne zusammen, hätte keiner vor 20 Sex.
Fakt aber scheint ja zu sein, dass tuntiges Gehabe sich heute tatsächlich als Vorteil im Mediengeschäft herausstellt. Tja, so ändern sich die Zeiten – früher war es von Vorteil, wenn man Holländer war und auch nach 20 Jahren in Deutschland noch so gesprochen hat, als hätte man eben mit seinem Wohnwagen das erste Mal die Grenze überquert. Da fragt man sich doch, was als nächstes kommt – Ossis mit stark sächsischem Akzent?
Das mit Medih hat sich dann aber ganz von selbst erledigt, dem viel nämlich kurz vor dem großen Finale von „Popstars“ ein, dass er jetzt doch lieber erst die Schule beenden möchte. Super, das hätte man sich jetzt natürlich auch vorher mal überlegen können... da der gute Medih bei „Popstars“ allerdings ständig mit dem Föhn zugange war (damit die Frisur auf der Bühne auch besonders beloppt aussah), ist davon auszugehen, dass dem durch die viele heiße Luft zwischenzeitlich das Gehirn so ausgetrocknet ist, dass er es einfach vergessen hatte.
Unvergesslich hingegen war der Auftritt einiger Popstarskandidaten, die vor dem Brandenburger Tor, zusammen mit der Gruppe Rapsoul (kennt auch keine Sau) deren neusten Klingelton... Single... was auch immer „performen“ durften. Ja ja, irgendwie zog das Brandenburger Tor schon immer das Böse an – man denke Bloß and die Fackelzüge zur Zeit des Dritten Reichs. Der Auftritt war übrigens wie erwartet so langweilig, dass einem schon mal das Bier aus der Hand fallen konnte, weil selbige sich dem Gehirn angeschlossen hatte und einfach weggeschnarcht ist. Aber das Drumherum, das war schon klasse... zum Beispiel als die Kandidaten ihren großen Vorbildern begegneten: Der Pro7-Sommer-Dauerbelästigung – Monrose!
Die drei Heulbojen von Monrose hatten übrigens exzellente Tipps für die Kandidaten, was man denn vor einem Auftritt noch so alles tun kann, um die Nervosität zu bekämpfen. Wenn Sie jetzt denken: „Klar, schnell noch ein Angstbach machen und dann los!“, dann kennen sie die sympathischen C64-Gehirne von Monrose aber schlecht. Laut Mama Monrose (Senna) beten die drei nämlich immer bevor sie auf die Bühne staksen, um die Zuhörer zu belästigen... Ich würd’s ja angebrachter finden, wenn sie anstatt vorher zu beten, lieber nach dem Auftritt beichten und um Vergebung bitten würden, aber egal...
Das Ober-Monroeschen hatte aber auch noch einen ganz besonderen Rat im Petto:
„ ...oder ihr konzentriert euch 5 Minuten nur für euch ganz alleine. Geht nochmal alles Revue. Alles geht ihr durch. Und dann fragt ihr euch eine Frage: Wieso macht ihr das? Und dann gibt’s nur eine Antwort. Wegen diesem verdammten Kick, Alter.“
Oder halt, man macht’s wegen der Kohle, dem Ruhm, den Nutten, dem Koks und dem Alkohol... um nur mal ein paar Alternativen zu nennen. Aber Bandmitglied Senna hatte den Kandidaten noch mehr mitzuteilen:
„Also, ey, Ich wünsch ganz viel Glück. Ihr werdet es packen, weil, ey yo, wir sind aus einer Family. Der Popstars-Family. Wir haben Euch verfolgt [von Monrose verfolgt zu werden – das ist auch sowas, was man nicht mal der Schwiegermutter wünscht], ihr seid großartig, ihr habt große Stimmen. Und ihr werdet die burnen, ich weiß es ganz genau. Und der D! und der Dieter und die Nina, die werden richtig stolz auf euch sein. Deswegen kickt die Scheiße, kickt sie bös. Geht da oben und lasst es brennen, verdammt!“
Angesichts dieser Mischung aus Ethno-Speak, fehlender Schulbildung und alptraumhafter Anglizismen wünscht man sich doch nur all zu sehr, dabei zu sein, wenn Monrose mal krass fett einen abbetet. Da kann man für den lieben Gott nur hoffen, dass es im Himmel auch strapazierfähigen Strick zum Aufhängen gibt.

Überhaupt ist Senna eigentlich immer für einen ungewollten Spaß auf eigene Kosten zu haben, so äußert sie sich auf der offiziellen Monrose-Website beispielsweise folgendermaßen zu den Studioaufnahmen des neusten Albums:
"Die Studioaufnahmen waren geil... Die Produzenten waren krass fit. Einmal sagte Dieter zu mir: Senna, wenn du dich mit deinem Freund streitest, flüsterst du dann oder schreist du ihn an? Da habe ich kapiert und von da ab mein eigenes Ding gemacht – und alles von mir, der krassen Senna, in die Songs rein gelegt."
Tja, so klingt’s auch... und da können wir noch froh sein. Hätte Dieter Falk nämlich zu Senna gesagt: „Senna, wenn du aufs Klo gehst, lässt du dann einen leisen Schleicher raus oder lässt du’s krachen?“, dann würde Senna heute einige Oktaven tiefer singen und bei Live-Auftritten würd’s immer seltsam riechen.
Die mit Abstand peinlichsten Momente in „Popstars“ lieferte allerdings jemand, von dem ich dachte, dass sie schon seit Jahren in der Geschlossenen sitzt – Nina Hagen. Nicht nur, dass die Alte inzwischen aussieht, als sei eine von Jim Henson’s Puppen gerade aus der Muppet Show abgehauen, sie gibt auch einen Deutsch-Englisch Mix von sich, den man ganz offensichtlich nur dann verstehen kann, wenn man sich auf ihr Niveau runtergesoffen hat:
Nina Hagen [zu den Postars-Kandidaten]:
„No matter welcher Weg – geht Euren Weg. . . Walk your way, no matter if er nach rechts oder nach links oder gerade aus, weil wir sehen und sowieso wieder. . .“
Klar, and no matter if you have yourself weggekokst the last Gehirnzellen during the 80s – you can still become a great Kinderbelustigung at “Popstars”, wenn you are old and abgetakelt.
Ja, so ist sie, die Nina Hagen – immer für eine peinliche Szene gut. Und da wir gerade von der Frau sprechen, deren einzige Anforderung an ihr Make-Up ist, dass alle Farben des Regenbogens vertreten sind, darf natürlich der jetzt schon als legendär zu bezeichnende Auftritt bei „Menschen bei Maischberger“ nicht unerwähnt bleiben. Der endete übrigens damit, dass Joaching Bublath (Wissenschaftsjournalist und promovierter Physiker) die Sendung vor laufenden Kameras verließ, weil er das Elend nicht mehr ertragen konnte. Aber schön zu sehen, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen den Privaten schon so richtig angepasst haben. Neben Nina, hatte man noch so die üblichen UFO-Spinner, wie Johannes von Buttlar und Walter von Lucadou angeschleppt, damit das eine richtig illustere Runde wird (zeigt mal wieder, dass das Guillotinieren zur Zeit der französischen Revolution durchaus seine guten Seiten hatte). Was anderswo erst in eine Zwangsjacke und dann in die Klapse gesteckt wird, wird im deutschen Fernsehen zu einer Sendung mit dem Titel „Ufos, Engel, Außerirdische – sind wir nicht allein?“ eingeladen... so quasi als Beweis, dass es Außerirdische wirklich gibt. Ich nehme mal an, der Redakteur, der die Sendung vorbereitet hat, dachte sich, „ob nun Außerirdisch oder aus’er Anstalt, das merkt unser greises, Florian Silbereisen-geschädigtes Publikum eh net“. Und die Nina, die hatte echt was zu erzählen. Die wurde nämlich vor 25 Jahren mal so fast von Ufos entführt:
„Da hab ich geschlafen und bin wie unter Kommando aufgewacht. Anstatt zum Klo, als Schwangere muss man ja oft mal zum Klo... also auch Unschwangere, geh zum Fenster, reiß die Gardine weg... und über mir ist ein [sic] Lichtquelle bis zum geht nicht mehr. Ich denke zuerst mit... mein... Mund... dropped open. Ich bin wie paralysiert, ich kann mich nicht bewegen [soll vorkommen, wenn man paralysiert ist...], ich kann keinen rufen, ich habe noch einen Gedanken im Kopf [ohhhh, einen ganzen Gedanken... Respekt], kann mich ganz genau erinnern, ich hab gedacht, ‚Oh, Scheiße ich kann mich ja nicht mehr bewegen, oh Scheiße, ich kann jetzt keinen rufen...’ weil Freunde, Mutter waren unten... konnte mich nicht bewegen. Dann irgendwann hat mein Denken auch aufgehört [und auch wohl die letzten 25 Jahre nie wieder so wirklich eingesetzt]. Ich dacht nur noch so... als letztes... Gott, bin ich glücklich [doof, aber glücklich – die Kombination hat man ja oft] und ich war nur unter diesen Farben da. Eine Farbe nach der anderen kam, also wirklich mit einer Power, mit einer Kraft... ähm... die Farben waren stärker, als alles Lichtquellen [sic] von hier kenne.“
Tja, mal von der Tatsache abgesehen, dass die gute Nina ganz offensichtlich ein Problem mit der Kombination des Worts „Lichtquellen“ und einem passenden grammatikalischen Artikel hat, sollte hier wohl jedem klar werden, dass man nach zehn Cola-Cognac und auf LSD nicht zu lange in die Minibar glotzen sollte.


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