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Buch IV – Gameplay

So, jetzt durfte es aber endlich losgehen. Um den Spieler mit den Grundprinzipien von HdRO vertraut zu machen wird man anfangs erst mal durch eine Instanz gescheucht. Das ist für absolute Neulinge wahrscheinlich gar nicht schlecht und trägt in der Tat auch dazu bei ein wenig Stimmung zu erzeugen. Ich hatte mir übrigens einen Hobbit zusammengeschustert, der auch nach stundenlangen Versuchen etwas halbwegs Ansprechendes hinzubekommen, ungefähr die Attraktivität eines Ottfried Fischers besaß und sich auch ganz ähnlich bewegte. Es sollte dann auch gar nicht lange dauern, bevor ich endlich dem Feind, nämlich einem Ringgeist, gegenüberstand. Und hier hat sich Turbine wirklich etwas einfallen lassen. Packt einen nämlich das Grauen, so verdeutlicht das HdRO mit Verzerr- und Farbeffekten, an denen jeder Epileptiker seine wahre Freude haben dürfte.
Hat man diese Einführung überstanden, so findet man sich, zumindest als Mensch und Hobbit, in Archet wieder (hat man die Einführung hinter sich, wird man zumindest als Hobbit wieder auf das Auenland losgelassen), einem Dorf, in dem es dann allerhand Brunzblöd-Quests a la „sammle 4 Heidelbeeren“ oder „töte 10 Wölfe“ zu erledigen gibt.
Dabei überzeugt LOTRO, wie man das ja auch in diversen Spielemagazinen lesen konnte, vor allem durch seine Einsteiger- und Solofreundlichkeit. Einsteigerfreundlichkeit bedeutet im Falle von HdRO, dass man ruhig auch blind oder vom Hals abwärts gelähmt oder auch einfach beides sein kann und trotzdem mit den ersten paar Levels keine Probleme haben wird. Wem World of Warcraft (WoW) also zu einfach ist, der sollte um LOTRO möglichst einen Bogen machen. Wer sich allerdings bei dem Satz „Du nicht nehmen Kerze!“ ständig selbst beschmutzt und die Flucht ergreift, der ist bei der HdRO genau richtig.

Auch, wenn mir angesichts der uninspirierten World of Warcraft-Kopie namens HdRO eher zum Weinen zu Mute war, so vermochte es das Turbine-Team doch, mir ein ums andere Mal ein Lächeln ins Gesicht zu zimmern. So musste ich es als Archetbewohner mit Migrationshintergrund nämlich zu Anfang nicht nur mit Wölfen und Wildschweinen aufnehmen, sondern auch mit Schwarzwald-Spionen. Zumindest dachte ich das... Nach heftigstem Augenreiben fiel mir dann auf, dass es sich in Wirklichkeit um Schwarzwold-Spione handelte, denen ich den Garaus machen sollte, was natürlich ein meilenweiter Unterschied ist. Kurzum, Codemasters war sich nicht zu schade, alles, was auch nur irgendwie ging, möglichst dämlich ins Deutsche zu übersetzen. So darf man dann anstatt Gilden auch gleich ganze Sippen gründen, das klingt zwar extrem lächerlich, aber sind wir froh, dass Codemasters Kinship nicht gleich mit Sippschaft übersetzt hat.

Alptraum für Touristen

Ich könnte Ihnen jetzt ja seitenlang beschreiben, wie genau das Gameplay von LOTRO ausschaut, stattdessen sei aber verkürzend einfach nur darauf hingewiesen, dass man dreist den PVE-Teil von World of Warcraft bis ins kleinste Detail kopiert hat. Und weil man beim Klauen so außerordentlich gründlich war, hat man die Schwächen des Konkurrenten auch gleich mitübernommen. Möchten Sie also genaueres wissen, dann lesen Sie sich doch einfach einen Test bei 4players.de, Gamestar oder PCGames, etc. durch, die werden eigentlich niemals müde Uralt-Features so ausgiebig zu erklären, dass man nach dem Durchlesen des Tests von HdRO das Gefühl hat, Turbine habe so eben das MMO-Genre aus der Taufe gehoben.

Noch Fragen?

Pwnz0r23: „isch hab gehörd in hdro gibts kein PeeVeeePeee?

Das lässt sich mit einem eindeutigen „Jein“ beantworten. Laut Turbine passt PvP nicht so wirklich zum Herrn der Ringe, wo es ja schließlich um Freundschaft, Pflichtbewusstsein und gleichgeschlechtliche Liebe geht. Deshalb ist PvP nicht vorgesehen. Und weil man bei Turbine genauso konsequent ist wie die meisten Profi-Radsportler bei der Einhaltung der Anti-Doping-Gesetzgebung, hat man auch das Monster-Play eingeführt, was nix anderes ist als Ganking allererster Güte. Da kann man dann auch mal den Ork in sich rauslassen, allerdings eben nur im PvP, der PvE-Teil des Spiels bleibt der Lembas-fressenden Fraktion Mittelerdes vorbehalten.
Da der durchschnittliche MMO-Entwickler allerdings eine ähnliche Schwäche für Gold und andere wertvolle Dinge hat wie der Standard-Tolkien-Zwerg, sollte man sich auch hier nicht zu viele Sorgen machen. Es ist davon auszugehen, dass Turbine in nicht allzu ferner Zukunft auch die letzten Bedenken bezüglich „böser“ Rassen über den Anduin gehen lassen wird. Natürlich in einer Erweiterung, für die dann auch lebenslang einsitzende Abonnenten kräftig zahlen dürfen.
Und dass Turbine ähnlich auf Kohle fixiert ist, wie Gollum auf den einen Ring, konnte man schon im Vorfeld von der HdRO beobachten. Da wurde nämlich so ziemlich alles getan, um Spieler zu gewinnen. So durften beispielsweise Beta-Tester ihre Charaktere gleich mit ins fertige Spiel übernehmen. Das schafft Freude, wenn man schon am Tag der Veröffentlichung gegenüber den ganzen N00bs ordentlich angeben kann.

Strafvollzug im Li-La-Laune-Land

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