Was hatte ich einen Spaß, als ich feststellen musste, dass das DVD-Laufwerk meines erst wenige Wochen alten PCs die Drecks-DVD nicht lesen konnte. Nein, es hatte nicht etwa Probleme bestimmte Dateien auszulesen, es konnte mit der DVD in ihrer Gesamtheit einfach nix anfangen. Erst mit Hilfe meines Laptops gelang es mir die Daten auszulesen und auf den Desktop zu überspielen. Wer jetzt glaubt, das sei einfach nur Pech, dem sei versichert, dass ich keineswegs der einzige Spieler bin, dem schon bei der Installation der Gedanke kam mal so das ein oder andere Briefbömbchen and Codemasters zu verschicken. Codemasters, das ist übrigens der Publisher der europäischen Version von LOTRO.
Immerhin lief die eigentliche Installation dann aber fehlerfrei. Wie für Deutschland üblich wird man schon hier wie ein echter Kneipenkumpel behandelt und einfach mal geduzt. Und auch während der Registrierung legt Codemasters einen Ton an den Tag, als hätten sie einem schon mal beim Kotzen nach heftigem Saufgelage das Händchen gehalten. Aber nochmals sei gesagt – das Ganze hat zumindest fehlerfrei funktioniert. Das hat man bei der MMO-Konkurrenz auch schon anders erlebt.
Für meine Erheiterung sorgte dann auch noch, dass der frisch installierte Client mit Version 0.0 startet – richtig so, warum nicht einfach mal bei 0 anfangen, als immer bei 1.0? Gefragt wird man dann im typischen Login-Screen, ob man schon Version 1.12 besäße und ob man sich die denn gerne herunterladen möchte... angesichts der Tatsache, dass in der linken unteren Ecke 0.0 steht, ist man geneigt eben genau das zu tun. Wer jetzt so doof ist, sich den über 800 MB großen Patch herunterzuladen, der hat den Eignungstest für LOTRO eigentlich schon bestanden. Dieser ist nämlich nur für Besitzer der Beta-Version – der im Handel erworbene Client aktualisiert sich hingegen innerhalb weniger Minuten auf Version 1.12, wenn man einfach mal den „Weiter“-Button drückt, der sich direkt unter der angebotenen Download-Verarsche befindet.

In diesem Zusammenhang ist vielleicht interessant zu erwähnen, dass Turbine in Sachen Spielevermarktung mit HdRO in ganz neue Dimensionen des Kundenbeschisses vorgedrungen ist. So wirft man nicht nur eine, sondern direkt drei Versionen auf den Markt – alle natürlich mit vollkommen unterschiedlichen Features. Neben der normalen Stinker-Edition für knapp 50 Euro, gibt es natürlich auch eine Spezial-Edition, die eine um zwei Wochen verlängerte Freispielszeit, eine zerbrochene Zinnminiatur, einen Ingame-Gegenstand sowie eine Pergamentkarte beinhaltet. Laut Codemasters, dem deutschen Publisher, liegt der Spezial-Edition auch ein Buddy-Code bei, mit dem man einen Freund für 7 Tage zum Testen von LOTRO verdammen kann. Tun Sie dies, so dürfte Ihr Bekannter die längste Zeit Ihr Freund gewesen sein. Übrigens liegt ein eben solcher Buddy-Code auch der Verarmten-Version bei, aber wen interessiert das schon, wenn es darum geht 20 Euro mehr abzuzocken.
So, und jetzt kommt die Edition, die dem ganzen das Häubchen aufsetzt (ob Sahne oder dann doch Kacke können Sie sich je nach IQ selbst aussuchen): Die Collector’s Edition! Die laut der Website von Codemasters in Kürze erscheinende, limitierte Edition ist inzwischen komplett ausverkauft und kostet jetzt bei diversen gierigen Wiederverkäufern selbstredend weit mehr als die von Codemasters empfohlenen 249 Euro. Dafür bekommt man aber auch jetzt Hammer-Features... wie beispielsweise ein Abonnement auf Lebenszeit! Ja, kein Witz, man kann sich also selbstpersönlich die Höchststrafe auferlegen.
Mal ganz von der Tatsache abgesehen, dass sich wohl niemand diesen Mist lebenslang antun möchte, muss man sich doch Fragen, warum in Europa gerade mal den 5000 Käufern der Collector’s Edition diese Möglichkeit offeriert wird, hatte in Amerika doch jeder dazu die Möglichkeit, der das Spiel vorbestellte.
Wie doof viele LOTRO-Spieler sind, konnte man dann auch in den offiziellen Foren live miterleben, wo ein solches Preismodell heftigst beklatscht wurde. Wenn auch Sie angesichts der lebenslangen HdRO-Haft das Bedürfnis verspüren, die Patschehändchen aber mal so richtig kräftig zusammenzufeuern, dann stellen Sie sich doch einfach mal folgende Frage: Wenn man einen Sportler dazu motivieren möchte sich anzustrengen und Spitzenleistungen zu erbringen, verleiht man ihm dann schon vor dem Wettkampf mal so eben den ersten Preis?
Buch III – Intro und Charaktererschaffung
Das Intro-Filmchen von HdRO weiß durchaus zu gefallen, auch wenn das Ding absolut nichts sagend ist. Zumindest technisch und auch von der Sprachausgabe her geht die Sache aber in Ordnung.
Wer jetzt denkt, ein Spiel mit epischem Setting brauche auch eine epische Charaktererschaffung, der hat mit LOTRO einen echten Griff ins Klo getätigt. Rudimentärer kommt eigentlich nur noch, das inzwischen uralte World of Warcraft daher. Offensichtlich wollte man den HdRO-Spieler nicht mit unnötig vielen Entscheidungen belasten. So kann man zwischen übersichtlichen vier (noch einmal als Zahl: 4!!!) Rassen wählen. Menschen, Zwerge, Hobbits und Elfen stehen zur Auswahl – jeweils die weiblich und männlich Version, versteht sich. Das ändert zwar nicht wirklich etwas an der absolut lächerlichen Anzahl (4!!!!), bläst das Auswahl-Fenster aber etwas auf, so dass es zumindest nach mehr aussieht. Ach so, bei Zwergen gibt es übrigens nur die männliche Ausgabe, offensichtlich sind die drinkfesten Zottelbärte alle schwul, etwas, was man zuvor eigentlich nur von Legolas & Konsorten dachte. Elbische Ischen gibt’s im Spiel aber zu Hauf – sollten Sie also einer von denjenigen MMO-Spielern sein, die eigentlich stetig mit einer Hand auf und der anderen unter dem Tisch spielen, so seien Sie beruhigt.

Klassen gibt es ganze sieben (gewagt, gewagt Turbine – ich bin mir sicher, einige HdRO-Spieler, die sich Euer Produkt bei Release zugelegt haben, hängen hier jetzt noch fest). Wer jetzt glaubt, er könne sowas cooles spielen wie beispielsweise einen Waldläufer, der schließt auch ein Abbo auf Lebenszeit ab. Nein, Turbine wartet mit Schurken, Waffenmeistern, Wächtern, Jägern (keine Angst LOTRO ist keine Förster-Simulation, auch wenn man so den einen oder anderen Wolf sowie gleich massenweise Wildsauen zur Strecke bringen muss), Barden, Hauptmännern und Kundigen auf. Ist klar, wahrscheinlich dachte sich Turbine, dass der im richtigen Leben oft planlose HdRO-Spieler in einem MMO ganz gerne mal einigen Kundigen spielt, schließlich legt der Klassenname ja nahe, dass der zumindest von irgendwas Ahnung hat.
Weiter geht’s mit der Festlegung des Aussehens. Auch hier hat man auf Komplexität verzichtet. Warum Morphing, wenn’s auch mit der Technik von 1998 geht? So darf man dann zwischen einem Dutzend Gesichter (die freilich alle gleich aussehen), Bärte und Augenbrauen auswählen. Und wem das nicht reicht, der darf sich unter „Details“ auch noch eine Peter Maffay-Warze an die Backe kleistern. Auf solche Dinge, wie beispielsweise die Größe, hat man gleich ganz verzichtet – in der HdRO sind halt alle Hobbits gleichgroß, schließlich hält man ja auch offensichtlich alle Spieler für gleich dämlich.
Letztendlich muss man noch einen Namen für sein Alter-Ego eingeben und hier schlägt Turbine dann mit aller Macht zu und gibt dem Spieler gleich mal so richtig Anweisung wie er das zu tun hat:
„Der Name muss aus einem Wort bestehen und darf keine Leerzeichen enthalten.“
[Will heißen – keine Nachnamen, ihr Deppen!]
„Der Name muss aus mindestens vier Buchstaben bestehen.“
[Gut, dass die Charaktererschaffung mir für Menschen solche Namen wie Tom und Ned empfiehlt...]
„Der Name darf nicht drei gleiche Buchstaben hintereinander besitzen.“
[Ade Frodddo...]
„Unter den ersten vier Buchstaben des Namens muss sich ein Vokal (A, E, I, O, U) oder ein Y befinden.“
[Damit dürften 90% aller HdRO-Spieler jetzt schon mal etwas gelernt haben – nämlich was genau denn ein Vokal ist... halten die ihre Spieler wirklich für so dämlich?]
„Der Name darf nicht mehr als vier Vokale hintereinander besitzen.“
[Hallo Froiuodo...]
„Jede beliebige Reihe von fünf Buchstaben hintereinander muss mindestens einen Vokal oder ein Y beinhalten.“
[... ... ...]
Das obige geistige Geschwurpsel ist übrigens dem Handbuch zu entnehmen und dürfte den LOTRO-Fanboy vollends in den Wahnsinn treiben. Das hat wohl auch Turbine erkannt und gibt deshalb bei der Online-Charaktererschaffung beispielhaft Namen an, die die Vertreter des ausgewählten Völkchens vorwiegend tragen. Bei den Hobbits finden sich darunter auch so putzige Namen wie Mungo (yup - das Säugetier aus Afrika) und Falco (richtig – unser koksender Freund aus Österreich). Wenn Sie also zu den Spielern gehören, die sich auch in einem Fantasy-Spiel ganz gerne mal Chewbacca oder Suxx0r nennen, wird Ihnen so schon bei der Erschaffung Ihres Charakters signalisiert, dass Sie hier genau richtig sind. So war dann auch der Name des ersten Charakters, den ich traf, IndianaJones – da war mir klar, das würde lustig werden.
Seite 1 ---------------------------------------------------------------------------- Seite 3