Nur gut, dass es da den Uberpwner in Sachen Volksaufklärung, Christian Pfeiffer, gibt, der ganz Deutschland bereist und uns Einzellern beibringt, wie die ideale Gesellschaft auszusehen hat:
„Das ist meine ganz persönliche Aufklärungskampagne, die meistens auf dem Land stattfindet, weniger in Großstädten.
Und das, sagen auch die Amerikaner, wirkt; wenn man Eltern und Kinder erreicht, dann kann man wachrütteln und sagen: „Liebe Eltern, ihr müsst selber anfangen, etwas mit euren Kinder zu machen, anstatt nur vor der Glotze rumzuhängen.“
Ja, wenn das die Amis sagen, dann muss das ja stimmen. Denn das ist ja eigentlich das Pazifistenvölkchen schlechthin. Und auch, dass es so viele fette Menschen in Amerika gibt, kommt nicht daher, dass die sich gerne mal zwischen erstem und zweitem Frühstück einen Burger klemmen und der Arsch inzwischen mit der Fernsehcouch verwachsen ist, sondern weil die alle drüsenkrank sind... Das ist überhaupt immer ein 1A-Deluxe-Argument, sich auf amerikanische Forscher zu berufen – gut, das macht eigentlich nur die Bildzeitung, aber auch von der wissen wir ja, dass die in Insiderkreisen als die deutsche Version der Science angesehen wird. Schließlich war es ja die Bild, die herausgefunden hat, dass Außerirdische die Stromleitungen in Russland anzapfen und nicht irgendein Klugscheissermagazin wie PM oder GEO.

Ganz besonders drollig ist auch der Günther Beckstein, bayrischer Innenminister und Erfinder der Killerspiele. Also nicht, dass Sie jetzt denken, der habe Doom programmiert – nein, auf Beckstein geht der überhaupt nicht reißerische Begriff „Killerspiel“ zurück. Und der will eben diese Killerspiele jetzt wie Kinderpornographie unter Strafe stellen, also nicht nur die Herstellung, sondern gleich auch noch den Vertrieb und den Besitz. Und wie stotterte er doch so schön in einem Podcast der Jungen Union (geistige Notiz an mich selbst: Unbedingt eigenen I PWN U Podcast produzieren – selbst die Flitzpiepen von der JU haben einen): „Denn Cybercops können dann feststellen, dass solche Spiele im Internet sind und werden dann auf den Betreiber des Servers zugehen...“. |
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Sicher doch, die paar Cybercops, die es in Deutschland gibt, haben ja auch sonst nichts anderes zu tun, als Vertriebesfirmen, die in den USA sitzen darauf hinzuweisen, dass ihre Spiele in Deutschland illegal sind. Die Polizei-Pressekonferenzen kann ich mir lebhaft vorstellen, in denen uns dann erzählt wird, dass man im vergangen Jahr zwar keine Kinderschänder habe dingfest machen können, dafür aber Valve mal eine deftige E-Mail habe zukommen lassen, dass das mit Steam in Deutschland so nicht weitergehe... Wäre das eigentlich nicht auch noch was für eine Ihrer Hypothesen Prof. Pfeiffer? Videospiele machen nicht nur gewalttätig und dumm, sondern auch gleich noch pädophil? Ich bin mir sicher, mit genügend Fantasie (und sind wir mal ehrlich, nach allem, was wir wissen, sind Sie dann doch die Alice im Wunderland unter den Akademikern), lässt sich da doch ein Zusammenhang finden.

Und wenn’s in Zukunft an der Haustür klingelt, dann wird’s im Kinderzimmer heißen „1,2,3,4 Beckstein – Alles muss versteckt sein!“. Denn wer weiß schon, ob’s nicht das BKA (Bundeskillerspieleamt) ist, das mal eben eine Hausdurchsuchung vornehmen will.
Wer jetzt, angesichts der Blindflansch-Argumente von Spielern und Politikern glaubt, der Gipfel der Dummschwätzerei sei erreicht und die Luft hier oben schon ziemlich dünn, der irrt. Denn auch beim Thema Killerspiele ist es wie bei allen öffentlichen Diskussionen: Man hat gerade den Schwachsinnsberg erklommen; man glaubt man habe das Schlimmste hinter sich und möchte jetzt eigentlich nur noch das Fähnchen zum Beweis der Erstbesteigung auf der Bergspitze anbringen, da muss man feststellen, dass Journalisten hier oben bereits eine Hütte gebaut haben und dort jetzt wilde Apres-Ski-Partys feiern. Doch dazu mehr in Teil II.
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