I PWN U

Über Killerspiele, Computersucht, Medien und die Verrohung der Gesellschaft - Teil I

So, heute wird’s mal ernst bei I PWN U, denn es geht um Killerspiele! Nein, keine Angst, ich werde Sie nur peripher mit meiner eigenen Meinung belästigen. Ich lasse vielmehr andere Personen zu Wort kommen, die sich zumindest einbilden davon Ahnung zu haben. Und da ist mir die Auswahl ganz schön schwer gefallen, denn Ahnung hat von Killerspielen ja heute irgendwie jeder...

Aber fangen wir doch einfach mal mit der nahe liegenden Gruppe der Computerspieler an. Durchgängige Meinung hier: Killerspiele sind total harmlos und in virtuellen Welten sollte sowieso alles erlaubt sein – schließlich kommt ja nicht wirklich jemand zu schaden. Und wenn mir jemand erzählt, dass virtuelle Menschen mit der Schaufel zu köpfen um anschließend auf sie zu urinieren, zumindest ethisch und moralisch fragwürdig ist, dann bringe ich flux das „Bevormundung durch den Staat“ Argument ins Spiel, das zieht eigentlich immer. Gut, abseits von Computerspielen haben die meisten Gamer ähnlich viel Interesse an Bürgerrechten wie Wolfgang Schäuble, aber es geht ja im Leben auch selten um so etwas fundamental Wichtiges wie virtuelle Gedärme und das Recht darauf, diese auch weiterhin unter Zuhilfenahme von virtuellen Schrotflinten über die Fußböden und Wände virtueller Räumlichkeiten verteilen zu dürfen.

Und weil das eben so wichtig ist, dass das Blut auch in Zukunft ungehindert fließen kann, haben sich die ersten Gamer jetzt einer Initiative angeschlossen, die den bedeutungsschwangeren Namen „Gaming is not a Crime“ trägt (Im folgenden mit GINAC abgekürzt – weil’s wie eine Kinderkrankheit klingt und Sie wissen ja, was passiert, wenn man sich sowas als Erwachsener einfängt).

Natürlich hat „Gaming is not a Crime“ auch eine Website und dort kann man sich ein Nutzerkonto anlegen, was nicht nur das Hochladen eines Fahndungsfotos erlaubt, sondern auch das Kundtun des eigenen Geschwurpsels zum Thema Killerspiele. Dabei gehen die Freizeit-Freuds der Tiefenpsychologie selbstverständlich stets von der eigenen Erlebniswelt aus, die natürlich als repräsentativ angesehen wird. Schließlich reichte den meisten GINAC-Usern ja bisher offensichtlich eine einzige Gehirnzelle zum meistern des täglichen Lebens, da wird ja wohl auch ein einziger Lebenslauf als Beweis für die eigenen Theorien in Sachen Killerspiele ausreichen. Tja, und bei vielen Usern sieht diese Erlebniswelt eben so aus, dass man von 16 Stunden Counterstrike täglich zwar fett und faul geworden ist, aber eben nicht wirklich gewalttätig.

So wird dann auch in den meisten Profilen geschwafelt, dass einem das Gehirn breiig werden kann. Von der heutigen Gesellschaft ist da die Rede und wie die einige Menschen isoliert und diese dann auch noch mit ihren Problemen ganz allein gelassen werden, bis sie schließlich zum Amokläufer mutieren – halt was man sich heute so in Sachen Psychologie in Zeitschriften wie der Apothekenumschau und dem Kirchenblättchen anlesen kann. Kurzum, jeder ist Schuld, nur die Spieleindustrie ist so unbefleckt wie Maria... Ok, das glaubt man allerdings auch nur dann, wenn man Joseph heißt. Aber solche Leute neigen ja auch dazu ihrer Frau zu glauben, wenn die Ihnen erzählt, die drei fremden Männer, die kurz nach der Geburt des Kindes reingeschneit sind, um Geschenke abzuliefern, seien irgendwelche Weisen. Bei so viel Geheuchel könnte ich schon mal so das ein oder andere Kloschüsselchen vollbrechen – denn eines dürfte doch wohl klar sein, der Mehrzahl von Spielern geht es einzig und allein um ihr Vergnügen. Und da möchte man nur ganz ungerne Einschränkungen hinnehmen. Anstatt dies aber genauso zu äußern, spielen die meisten GINAC-User lieber den Moralapostel und schieben die Verantwortung allein der Gesellschaft, der Politik, den Eltern und, weil das auch überhaupt nicht dämlich ist, anderen Medien zu. Das ist eine brillante Moral – andere anklagen, um das Recht auf uneingeschränkte Gewalt an Computer und Konsole einzufordern, da muss man erst mal drauf kommen.

Ganz ähnlich dürfte übrigens auch die amerikanische Waffenlobby argumentieren, die ja ebenfalls ständig die Schuld anderen zuschiebt. Denn wie heißt es in dem bekannten Klugscheißerspruch doch so schön: „Waffen töten keine Menschen – Menschen töten Menschen“. Ja, stimmt schon... wenn Sie mich fragen, dann helfen Waffen aber ganz ungemein. Man stelle sich nur mal vor der Amokläufer der Virginia Tech hätte seine 33 Opfer erwürgen müssen... der hätte ja Schwielen an die Hände gekriegt. Wäre aber ein echter Glücksfall für die sensationsgeilen Journalisten von CNN gewesen, denn Erwürgen hätte in jedem Fall länger als Erschießen gedauert. Da hätte man das, mit der Handykamera gefilmte 10-Sekunden-Ruckel-Video von Student Jamal Albarghouti (Sie wissen schon, das, in dem eigentlich nichts zu erkennen ist, außer einem weißen Pickup und dem Lenker eines Rennrades) statt 48 Stunden, doch glatte 96 Stunden in der Endlosschleife laufen lassen können.   

Eigentlich aber muss man der Waffenlobby nach der GINAC-Argumentation Recht geben, denn auch nicht jeder Amerikaner, der eine Waffe besitzt wird gleich zum Massenmörder.

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