Es ist Sommer, auch wenn man das in Deutschland im Moment nicht wirklich merkt. Und da das alljährliche Sommerloch von diversen privaten Fernsehsendern gerne genutzt wird, um seinen Zuschauern die Restintelligenz zu rauben, ist es für I PWN U an der Zeit mal einige TV-Tipps auszusprechen.

Piraten liegen zurzeit voll im Trend! Das hat auch RTL erkannt und belästigte uns nun die letzten Wochen all-freitäglich mit „Entern oder Kentern“, der Spieleshow für Ballermannfreibeuter und Sangriaseeräuber. Wenn Sie jetzt glauben, es handele sich dabei um ein Format wie „Prominent im Kettenhemd“ oder „Debil im Feriendomizil“, so muss ich Sie leider enttäuschen. Nein, es handelt sich viel mehr um eine europäische Version von „Takeshi’s Castle“, einer japanischen Show vergangener Tage, in der wild gewordene Asiaten demütigende Spielchen vor laufender Kamera absolvierten. Damals dachte ich noch, dass so etwas eine rein japanische Sache sei, wo Selbsterniedrigung ja bekanntermaßen ein Volkssport ist. Im Land des Harakiri, wo sich die Sekretärin gerne selbst bestraft indem sie sich den kleinen Finger absäbelt, weil sie morgens vergessen hat dem Chef die Bleistifte anzuspitzen, da sei sowas möglich, dachte ich – was die westliche, zivilisierte Welt anging, so hielt ich es aber für ausgeschlossen. So kann man sich irren.
Und da es schon lang keine Show mehr gab, in der uns vor Augen geführt wird, dass wir alle vom Affen abstammen, dachten sich die Quotenpiraten bei RTL, dass es mal wieder an der Zeit sei, eine Prime-Time-Verarsche allererster Güte rauszuhauen. Herausgekommen ist dabei eine zehnteilige (bisher sieben Folgen gesendet) Breitseite auf den guten Geschmack und den gesunden Menschenverstand, von dem sich die allermeisten Zuschauer bisher noch nicht erholt haben dürften.
Wie bereits erwähnt, Hintergrund der Show ist eine wirre und irre Piratengeschichte. Der grazilen Comtessa, brillant inszeniert von Sonja „Scham, das haben die anderen“ Zietlow, wurde ihr Schatz gestohlen und zwar vom bitterbösen Käpt’n Henry Raff (das tut so weh...), dargestellt von Götz Otto.

Sie haben schon richtig gelesen, Götz Otto – der Handlanger des Bösewichts in „Der Morgen stirbt nie“, der zwar immer böse gucken und ab und zu mal gefährlich grunzen, aber nie was sagen durfte. In einem Hollywood-Piratenfilm würde der heutzutage allenfalls die Rolle als Vordermast eines Segelschiffs bekommen und das auch nur aufgrund seiner Körpergröße, bei RTL hingegen bekommt Götzi eine Sprechrolle. Und da zeigt uns Käpt’n Raff natürlich, was er schauspielerisch so drauf hat! Da wird einem dann auch schnell klar, warum für Götz inzwischen nur noch Rollen wie der König Pumponell im „Urmel aus dem Eis“ herausspringen. Verwunderlich eigentlich, denn üblicherweise sind Schauspieler, deren Namen stark nach SS Sturmbandführer klingen, ja geradezu prädestiniert für Hollywood. Unglücklicherweise für Götz Otto hat man aber bei Richter Alexander Holt schon Laiendarsteller gesehen, die überzeugender waren, als die zwei Meter Vakuum, die uns da jeden Freitag lehren, was Fremdschähmen wirklich bedeutet und dass auch das Vorschultheaterniveau von „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ durchaus noch unterboten werden kann.
Immerhin – mit dabei ist auch eine echte Veteranin auf dem Gebiet der Dödel-Shows. Schließlich moderierte Sonja Zietlow ja bereits erfolgreich das „Dschungelcamp“ – damals noch zusammen mit dem lebenden Sack Mettwurst als Co-Moderator – genau Dirk Bach. Da homosexuelle, ein Meter große Piraten allerdings irgendwie uncool sind und auch nicht wirklich gefährlich wirken, schied dieser leider als Besetzung für Käpt’n Henry Raff aus. Eigentlich sollte Dirk Bach daraufhin die Rolle des schwulen Schiffspapageis bekommen, diese wurde allerdings nachträglich von RTL gestrichen, da sich einige Papageien in ihrer Tierwürde verletzt sahen.

Aber zurück zu Comtessa Schamlos – die muss nämlich ihren Familienschatz zurückerobern und wird dabei von drei C-Prominenten unterstützt, die ihrerseits eine Horde von 0815-Kandidaten anführen (Kegelgemeinschaften, Kaninchenzuchtvereine, Swingerclubs, etc.), denen schon vor der Sendung so der ein oder andere Liter Sangria intravenös verabreicht wurde – anders ist deren Ekstase angesichts der ihnen bevorstehenden demütigenden, erniedrigenden und zum Teil auch nicht ganz ungefährlichen Spielchen nämlich nicht zu erklären. Immerhin, jeder Teilnehmer trägt einen Helm... warum man nun aber gerade versucht ein, für die meisten Kandidaten so unwichtiges Körperteil zu schützen, bleibt mir ein Rätsel.
Das Gewinner-Team bekommt sage und schreibe 3000 Euro, was bei 30 Teilnehmern pro Team also unglaubliche 100 Euro für jeden macht. Da lässt man sich ja bei RTL nicht lumpen. Bei der Großzügigkeit, die RTL hier an den Tag legt ist wohl davon auszugehen, dass die Teilnehmer, nach der Sendung, auch von der Südseeinsel aus nach Hause schwimmen dürfen.

Sonja Zietlows ganz persönliches Ziel bei „Entern oder Kentern“: möglichst oft „grazile Comtessa“ sagen! Dass das inzwischen durch „Deutschland sucht den Superstar“ und „Die 10“ vollkommen lobotomierte RTL-Publikum zwar keine Ahnung haben dürfte was das Wort „grazil“ bedeutet und höchstwahrscheinlich glaubt, Comtessa sei der Name des Handyherstellers, dessen neues Produkt man im Gewinnspiel zur Sendung abgreifen kann, stört die Moderatorin dabei nicht wirklich.

Und weil die debile Comtessa ihr adliges Haupt lediglich zum rumsabbeln benutzt (und vielleicht noch, um das krakenartige Ding spazieren zu führen, das Sonja Zietlow seit Jahren für ihre Frisur hält), steht die Laberluke eigentlich niemals still und Comtesschen schwurpselt lustig in möglichst hochtrabendem Deutsch daher – halt ganz so, wie man nach Strohblödchens Vorstellungen im 17. Jahrhundert gesprochen hat.
Zusammenfassend lässt sich hinsichtlich der Moderation also sagen, dass Käpt’n Blaubär und Heinz Blöd eine, des Sendeformats angemessene, einwandfreie Vorstellung abliefern.
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