Wie gesagt, die 4players-Community hatte mich fast schon davon überzeugt, dass meine Kritik an Jörg Luibl und an PB vollkommen überzogen sei, als ich begann mich zu erinnern, wie das denn damals so war mit der Veröffentlichung von Gothic 3. All denjenigen, an denen der Kelch Gothic 3 damals vorbeiging sei vorweg gesagt, dass den Kunden damals ein völlig unfertiges Spiel angedreht worden war, das auch heute, nach acht Monaten und 2 Patches, etwa genauso „fertig“ ist wie ein Revell Modelbaukasten direkt nach der Öffnung.
Damals sagte man bei PB noch folgendes:
Mike [PB]:
"Eins vorab: Wir sind nicht auf den "Wir-wollen-schnell-Geld-machen-und-alle-Fans-verarschen" Zug aufgesprungen.
Das G3 beim Release unfertig war ist scheisse. Das sich die Leute darüber aufregen ist berechtigt. Uns war klar, das G3 beim Release nicht bugfrei sein würde, aber der Umfang der Probleme, die wir noch in der Goldmaster Version haben würden, wurde von uns unterschätzt."
Man fragt sich echt, was das für Partys waren, die bei PB stattfanden. So besoffen und zugedröhnt kann man doch eigentlich nicht gar nicht sein, dass man glaubt, man könne so einen Murks mal eben mit einem kleinen Patch beheben... zumindest nicht, wenn man sich den Mist vorher mal installiert und angespielt hat. Ich hab’ aber so das Gefühl, dass man sich bei PB gar nicht erst in diese Verlegenheit gebracht hat.
Solcherlei Entschuldigungen von PB sind übrigens ähnlich glaubhaft, wie die zur Zeit stündlich erfolgenden reuigen Geständnisse deutscher Radsportler und auch ähnlich dummdreist. Speziell, da allzu harsche Kritik am eigenen Produkt von PB ganz gerne mal mit Aussagen beiseite gewischt wurde, die den Leser quasi beim Rezipieren schon lobotomisierten, so dass der den Mist anschließend auch glaubte:
Mike [PB]:
"Am besten kommen sicherlich immer die weg, die von einem Spiel nicht nur fordern, sondern etwas von sich selbst mitbringen."
Und was von sich selbst hatte man ja mitgebracht, nämlich so zwischen 40 und 50 Euro. Eigentlich kam man somit doch also ganz gut weg und sollte sich demnach auch nicht beschweren.
Und überhaupt, bekam man doch auch was für sein Geld... na gut, zugegebenermaßen kein wirklich funktionierendes Computerspiel, aber immerhin eine von PB, mittels Casio-Taschenrechner selbst programmierte Engine und was die alles kann, das teilte uns damals stolz der Carsten von PB mit:
Carsten [PB]:
"- Physik: Stoffe, Seile/Ketten, Flüssigkeiten, klassische Rigidbodies (rollende Fässer/purzelnde Kisten/zerstörbare Objekte und co)
- Rendering: Ultra High Detail Meshes mit LOD Implementation
- Materialsystem: Zig tausende von noch nicht entdeckten Shader Kombinationen
- Eventsysteme/Schalterrätsel/Mover"
Ok, der Carsten gab auch zu, dass davon kein einziges Feature ins Spiel implementiert werden konnte, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein. Außerdem erzählte uns der Carsten ja anschließend auch direkt von den Stärken, die die Engine habe und die auch tatsächlich im Spiel zu finden seien:
Carsten [PB]:
"Bei soviel Kritik an "dem Speicherfresser Gothic 3", die sicherlich auch nicht unignoriert bleibt, muss ich einfach darauf hinweisen, dass ALLE Meshes in Gothic 3 "arbitrary complex sind". D.h. es werden keine heightfields oder "convexe meshsoups" verwendet, sondern beliebig komplexe."
Ahhh... ja. Dass die meisten Spieler (inklusive mir) wahrscheinlich kein einziges Wort von dem verstanden haben dürften, was der Carsten da, unter reichlich Elektro-Smog, von sich gab, schien die Alleinunterhalter von PB nicht wirklich zu interessieren. Und auch die Tatsache, dass den meisten Spielern eine ausführliche Erklärung darüber, warum sich Gothic 3 auf ihrem Rechner den Arsch abruckelt, an eben demselben vorbeigehen dürfte, ignorierten unsere aalglatten Freunde mal dezent.
Aber was soll’s. Gothic 3 hat und hatte doch auch viel schönes. Zum Beispiel diesen Blurring-Effekt, der alles, was weiter als zwei Meter von Ihrem Avatar entfernt ist, dermaßen verzerrt und verwischt, dass man ständig das Gefühl hat, man glotze total besoffen und unter LSD-Einfluss in den Wasserfarbmalkasten der kleinen Schwester. Da spart man, je nach Suchtverhalten, viel Geld.
Und so erzählten uns die Piranhas in den WorldofGothic-Foren einen Witz nach dem anderen. Speziell der Mike, der Fips Asmussen von PB, ließ teilweise Kracher los, dass man das viele Bier, das sich beim Lesen, der nur besoffen zu ertragenden Foren, in der Blase angestaut hatte, kaum noch halten konnte.
Selbst die dümmsten Fragen enttäuschter Kunden beantwortete man mit stoischer Ruhe, wie beispielsweise die, warum es im Spiel so wenige Dungeons und Höhlen gäbe:
Sascha Henrichs [PB]:
"in der tat gibt es in solche orte nur in begrenzten maße in g³. das ist sicherlich schade. wir haben dennoch versucht hier und da ein paar highlights zu setzen."
Und sind wir doch mal ehrlich – braucht ein Spiel, das in seiner Gesamtheit so unterirdisch ist wirklich noch Verliese?
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