Dschungelcamp, die vierte ...
Da ist sie nun also – die neue Staffel des audio-visuellen Breitbildbrechdurchfalls namens „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“… willkommen in der TV-Hölle… mal wieder. Eigentlich ist alles beim alten: Die Kackerlaken, Ratten und Schlangen, die früh genug Wind von der Sache bekommen haben, sind wieder rechtzeitig ausgewandert, Stars sucht man wie in den Staffeln zuvor ebenfalls vergeblich und moderiert wird die stillos inszenierte Massenhinrichtung von Zuschauerhirnzellen wie gewohnt vom Arschdouble für die Wildecker Herzbuben, Dirk Bach, und seiner besseren Hälfte… naja… seinem besserem Zehntel, Sonja „Die zehn trendigsten Geschlechtskrankheiten“ Zietlow (wir erinnern uns – Sonja Zietlow, das ist die Moderationsmeuchlerin, die damals die audiovisuelle Skorbut namens „Entern oder Kentern“ präsentierte) . In der nächsten Staffel ist der Bach übrigens schlachtreif… glaub‘ ich.

So, da woll’n wir doch mal schauen, wer diesmal in den Dschungelknast muss. Respekt, das ist schon nicht schlecht ist, was RTL da in den Urwald gezerrt hat. Ok, inzwischen dürfte selbst die eine oder andere Kakerlake, welche die Kandidaten im Camp verspeisen müssen in ihrer Kolonie einen höheren Prominentenstatus genießen als das, was sich da allabendlich bei RTL auf dem Bildschirm prostituiert, aber als Fernsehzuschauer hat man sich ja zwischenzeitlich daran gewöhnt, dass einem täglich auf diversen Privatsendern irgendwelche geisteskranken Teilzeitkräfte als Stars präsentiert werden, die es geschafft haben sich bei RTL, Sat1, Pro7 & Co nach unten zu schlafen… womit wir dann eigentlich auch schon beim diesmaligen Kontingent der Niveauallergiker wären, die von RTL ins Grüne gelockt wurden.
Da wäre zunächst einmal Giulia Siegel, die Tochter von Ralf Siegel (oh man, das alleine ist ja schon irgendwie ein Schicksal), die nicht nur Model und Schauspielerin, sondern auch DJ ist – ein Buch hat man selbstverständlich auch schon gemalt geschrieben – Schriftstellerin ist man also auch. Bloß gut, dass diese Berufsbezeichnungen nicht geschützt sind… was hat Prinzeschen Blond denn für Hobbies? Lesen, schwimmen, reiten und Kernphysik?
Und wie sich das selbstverständlich für eine verzogene Schickeria-Schickse gehört besteht Giulias Körper zu 50 % Wasser, 30% Silikon und 20% Nikotin… überhaupt ist festzuhalten, dass augenblicklich im australischen Dschungel mehr Dichtungsmasse zu finden sein dürfte als in einem durchschnittlichen Mehrfamilienhaus verbaut wird. Denn am Lagerfeuer wurde dem wehrlosen Zuschauer offenbart: So ziemlich jeder im Camp hat sich die Titten machen lassen – die Männer inklusive…
Aber zurück zu Giulia. Mal abgesehen vom Rauchzeichen geben (mit Hilfe einer Packung Malboro stündlich) scheint das Rotzbalg von Ralf Siegel nur über wenige Fertigkeiten zu verfügen, die im Dschungel von Nutzen sind. Sie kann zwar „gut schwimmen“ hat aber „Angst vorm Wasser“… nee, is‘ klar – da geht’s ihr so ein bisschen wie mir selbst: Ich kann zwar gut Fernsehen gucken, hab‘ aber Angst vorm RTL…
Die Giulia hat’s aber auch nicht leicht. Zum Beispiel musste die sich an den Augen rumschnippeln lassen, weil sie in ihrem zarten Alter von Mitte 30 bereits Schlupflieder hatte. Dadurch, so Blinse Blond, hatte sie drei Jahre lang Kopfschmerzen… gut, jetzt hätte man auch einfach mal zwei statt drei Päckchen Zigaretten täglich rauchen können, um zu sehen, ob das Kopfweh vielleicht doch davon kommt, aber warum Verzicht üben, wenn man sich stattdessen einfach die „Fettwürmer“ aus der Gesichtsgrütze sägen lassen kann. Könnte ja vielleicht auch für den nächsten Auftritt im Playboy hilfreich sein, der natürlich rein zufällig erscheint, während man selbst in Australien die Koalas belästigt.
Rückenbeschwerden hat Giulia natürlich auch – kann also nicht an allen Dschungelprüfungen teilnehmen… ja, ich nehme an, das kommt von der ganzen körperlich wahnsinnig anspruchsvollen Arbeit die Siegelchen hat bisher verrichten müssen (sich bücken und so), vielleicht ist’s aber auch nur der Tumor in der Lunge, der in den Rücken ausstrahlt…

Als nächstes wäre da Bond, Peter Bond… genau, ehemalige Porno-Piepe und Ex-Moderator. Ok, dass der Mann mit der freigefräßten Denkerstirn mal Sexfilmchen gedreht hat, das verschweigt man natürlich auf der Dschungelcamp-Webseite von RTL, listet dafür aber all die anderen Tätigkeiten auf, denen der Agent mit der Lizenz zum Verkauf von Vokalen mal zeitweise nachging. Eines wird klar, Peter Bond hat ein Herz für Menschen, denen es finanziell ähnlich miess geht wie ihm selbst, denn er unterstützt gleich mehrere karitative Organisationen:
„Peter Bond ist seit August 2008 Vizepräsident des "Diamond Charity e.V." und wendet sich mit diesem ähnlichen Projekten zu. Mit der 1. "Diamond Prosecco Charity Golf Trophy " spielte er am 13. September 2008 im Golfclub Starnberg über 15.000 Euro für den guten Zweck ein.“ (Auszug RTL Website)
Die 15.000 Euro kamen übrigens dadurch zustande, dass Peter Bond höchstpersönlich die achtlos weggeworfenen Prosecco-Flaschen der ganzen reichen Gäste eingesammelt und sich beim Supermarkt um die Ecke das Pfand abgeholt hat. Über den „guten Zweck“ darf gemutmaßt werden… ich denke, man liegt aber nicht ganz falsch, wenn man annimmt, dass die „Prominenz“ auf solchen Veranstaltungen ausprobiert, wer wem den größeren Bären aufbinden kann. Ich freue mich jedenfalls wahnsinning auf die 2. Diamond Underberg Charity Schnitzeljagd oder wie der Mist nochmal heißt…
Der Peter, der zwar den Nachnamen eines bekannten Filmagenten trägt, hat es übrigens zustande gebracht in seiner ersten Dschungelprüfung genau einen (nochmal in Zahlen: 1) Stern zu ergattern. In der Konsequenz bedeutet das dann natürlich auch nur ein Essen für insgesamt zehn Kandidaten… ich würd‘ mal sagen, noch ein paar Dschungelprüfungen mit dem Bond und bald melden sich die restlichen Kandidaten freiwillig zum Zeckenfressen und Würmerlutschen, damit sie überhaupt was in den Magen bekommen… ok, außer der Siegel halt – die haut sich einfach die übriggebliebenen Filter von den ganzen Malboros rein, die man tagsüber so weggequarzt hat.
Besser als er selbst, so Peter Bond wörtlich, hätte es aber auch sonst niemand im Camp hinbekommen. Denn die Prüfung war körperlich extrem anspruchsvoll und speziell Bond hat sich ja in seinem bisherigen Leben durch solch physisch fordernde Tätigkeiten wie „am Glücksrad drehen“ ausgezeichnet…
Nächster Kandidat: Michael Meziani… „gähn“. Angeblich soll man den aus der Vorabendserie „Marienhof“ kennen. Hab‘ ich nie gesehen und ich hoffe, dass mir das auch in Zukunft erspart bleibt. Meziani, der erst kürzlich aus „Marienhof“ ausgestiegen worden ist (dreimal dürfen Sie raten, warum der jetzt zwei Wochen freiwillig im Dschungel sein Six-Pack in die Kameras hält) ist insgesamt ähnlich unauffällig wie Norbert Schramm, „Deutschlands erfolgreichster Eiskunstläufer“… hätt‘ dem Norbert vielleicht im Vorfeld mal jemand stecken sollen, dass die Aussichten auf Eis im australischen Dschungel eher suboptimal sind – so langsam aber sicher befürchte ich nämlich, dass der Norbert immer noch drauf wartet, dass endlich der campnahe Teich zufriert. Ebenso farblos blieb bis dato auch Gundis Zambo, die man nun, nach langer Bildschirmabstinenz, mal wieder aufs Fernsehpublikum losgelassen hat.


Dann gibt’s da noch die beiden Kandidaten Günther Kaufmann und Ingrid van Bergen… wussten Sie eigentlich, dass Australien früher eine Strafgefangenenkolonie war? Das ist doch super, dass RTL das jetzt wieder aufgreift. Leider gibt’s auch über die beiden Ex-Knasties im Camp wenig zu berichten. Ich frag‘ mich halt immer, was jemanden wie Ingrid van Bergen, die nun bereits über 70 Jahre alt ist, dazu bringt, bei so einem brachialen TV-Desaster mitzumachen. Überhaupt… letzte Staffel war’s Bata Illic, diesmal ist’s Ingrid van Bergen – was kommt den bitte beim nächsten Mal? Jopie Heesters? Vielleicht sollte man den auch nochmal durch den australischen Dschungel scheuchen, so lange er noch verfügbar ist. Wäre nett, wenn RTL in Zukunft auf Kandidaten verzichten würde, denen man quasi beim Versteinern zugucken kann.

Kommen wir jetzt mal zur „Exoten bringen Quoten“-Fraktion. Was soll ich da groß sagen – RTL hat’s mal wieder geschafft. Wo andere Sender bestenfalls mit einem Quotenschwulen oder Quotenholländer aufwarten können, gibt’s bei RTL einen medialen Rundumeiertritt, was Minderheiten angeht. Vorreiter ist hier selbstverständlich Lorielle London, die sich ehemals Lorenzo nannte und unter anderem bei solch unerträglichen Produktionen wie „Deutschland sucht den Superstar“ (2.te Staffel, damals noch moderiert von Carsten „halt dir die Taschen zu“ Spengemann) und „Auf der Alm“ mitwirkte.
Inzwischen hat sich Lorenzo von irgend so einem Dr. Frankenstein der Schönheitschirurgie generalüberholen lassen und ist jetzt ein 1A-Luftkissenboot. Warum, weiß der eifrige Zuschauer inzwischen auch: Lorenzo steht auf Männer! Ok… wenn man als Mann auf andere Männer steht denkt man normalerweise: „Ich steh auf andere Männer, dann bin ich wohl schwul…“. Nicht aber Lorenzo – der denkt: „Ich steh auf andere Männer, dann bin ich wohl heterosexuell, aber im falschen Körper gefangen…“.

So, Freunde des langsamen TV-Suizids – jetzt kommt der Hammer: Mit von der Partie ist nämlich auch Mr. „Model of the World“ Nico Schwanz! Jau, das is‘ doch mal ein Name! Da weiß die holde Weiblichkeit doch direkt, wo sie dran ist… bloß doof, dass der Nico von Beruf Friseur ist – da weiß man ja in der Regel auch, wo man dran ist. Nur die Gundis, die hat das irgendwie noch nicht so wirklich geschnallt und malt Herrn Schwanz mit Sonnencreme Herzchen auf den Rücken. Is‘ schon traurig mit anzusehen, wenn bei Frauen über 40 die Torschlusspanik in vollem Gange ist. Vom Namen abgesehen ist der Nico aber erstaunlich gutartig… na ja vielleicht bis auf diesen furchtbaren Ost-Dialekt. Aber ansonsten ein eher erträglicher Zeitgenosse, was im Dschungelcamp eine echte Rarität darstellt.
Der letzte Exot im Bunde ist Christina „Mausi“ Lugner. Sie ahnen es schon – die Holländer waren alle – da musste halt ein Österreicher herhalten. Mausis Prominenz leitet sich einzig und alleine daraus ab, dass sie mal mit dem Wiener Bauunternehmer Richard Lugner verheiratet war... was genau kommt eigentlich nach Z-Prominenz? Wahrscheinlich haben die Österreicher noch ein paar Buchstaben im Alphabet, die uns Deutschen unbekannt sind. Apropos Schluchtenscheisser – Mausi hatte selbstverständlich nix besseres zu tun, als sich in einer der ersten Folgen über ein paar harmlose Österreicher-Witze zu beschweren, die die übrigen Kandidaten (die sich zugegebermaßen vielleicht nicht unbedingt über andere lustig machen sollten… denn wie heißt es doch so schön: Wer im Glashaus sitzt, sollte sich besser im Dunklen umziehen) am Lagerfeuer zum Besten gaben. Sie sei stolz darauf eine Österreicherin zu sein, so Mausi wörtlich, und Witze darüber fänd‘ sie nicht gut. Tja Mausi, wir Deutschen erinnern uns halt noch gut, was beim letzen Mal passiert ist, als wir nen Ösi ernstgenommen haben…
Als ob es nicht schon schlimm genug wäre, dass man sich das ganze Elend nun allabendlich auf RTL anschauen muss (man will sich sozial ja nicht völlig isolieren), galt es im Vorfeld erst einmal die ganzen geheuchelten Rechtfertigungen der „Prominenten“ zu ertragen. Ja, Sie ahnen es schon, keiner ist im Camp, weil er das Geld braucht oder hoffnungslos mediengeil ist – nein, man will „die eigenen Grenzen ausloten“. Bei Giulia Siegel sind die Grenzen scheinbar bereits erreicht, wenn sie mit fünf Zigaretten am Tag auskommen muss. Denn Frau Siegel hat gedroht, dass sie das Camp verlassen wird, wenn sie nicht auch weiterhin den Morgennebel im Dschungel selbst produzieren darf. 5 Kippen… hmmm… damit taugt die ja nicht mal für den Big-Brother Container. Is‘ aber auch gemein, wenn man plötzlich auf solch lebenswichtige Dinge verzichten muss. Peter Bond hat bereits angekündigt, dass er ebenfalls geht, wenn man ihm das Haargel wegnimmt.

Sind wir doch mal ehrlich, der einzige, der hier was auslotet, ist das deutsche Privatfernsehen und zwar nicht die Grenzen seiner Kandidaten, sondern die der Zuschauer. Dass das Dschungelcamp im Niveau der Fernsehlandschaft eher im unteren Segment anzusiedeln ist, das ist zwischenzeitlich ja hinlänglich bekannt, was RTL diesmal allerdings an Jammertitten und Rumpeltunten in den Busch geschickt hat, ist der beste Beweis, dass auch Alkohol seine Grenzen hat. Da kann man saufen bis die Nieren den Dienst einstellen, erträglicher wird diese mediale Zwangsenteignung von Zuschauerintelligenz dadurch kein bisschen. Ich dachte ja bisher immer, Malaria sei eine Tropenkrankheit… inzwischen weiß ich, dass das in Wahrheit ein TV-Format ist. Zumindest die Auswirkungen sind nahezu identisch. Wenn ich nämlich höre, wie die Lästerschwestern Dirk und Sonja die verbrauchten Kalauer der vergangenen drei Staffeln recyceln und dann noch sehe, wie Peter Bond beim Duschen sein Klötenponny in die Kamera hält, dann bekomm ich Fieberschübe und Dünnpfiff, dass mir die Rosette glüht.
Das Beste an Montezumas Rache in 16:9 ist, dass die Hälfte schon fast rum ist. In ein paar Tagen geht es für die meisten Insassen des Camps wieder zurück in den nächsten Baumarkt, um Holzlatten zu streicheln… oder aber man darf auf Kaffeefahrten irgendwelchen Omas und Opas die Batterien in den Hörgeräten leerquatschen.
