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Age of Conan – oder wie Funcom die Kunden verarscht (mal wieder...)

Auch am nächsten Tag hatte sich in Sachen Downloadgeschwindigkeit im 90er-Jahre Bereich nicht wirklich etwas getan. Immerhin zeigte mir die Tatsache, dass ich beim Zugriff auf das Internet eine 404 Fehlermeldung nach der anderen erhielt, dass man inzwischen die P2P-Funktion des DM aktiviert hatte. Ähnlich dem WoW-Patcher legte die nämlich, dank vollkommen überzogener Upload-Rate gleich den gesamten Internet-Zugang lahm. Zum Glück für viele verzweifelte EA-Kunden hatten einige freundliche Spieler, die mehr Glück mit dem DM gehabt hatten, den Client bei Rapidshare hochgeladen, so dass schließlich auch arme Schweine wie ich und Kunden mit Dorf-DSL noch rechtzeitig mit dem Download fertig wurden. Für einige dürfte es wohl auch nicht mehr hingehauen haben, aber bei Funcom interessierte das keinen, schließlich hatte man ja die 5 Euro längst vom Konto der MMO-Süchtigen abgebucht. Denn spätestens seit WoW dürfte auch den letzten Entwicklern der MMO Branche bekannt sein, dass man nicht unbedingt halten muss, was man den ganzen Kindern vom Bahnhof Vélizy versprochen hat, denen Blizzard vor einigen Jahren das digitale Heroin in die Venen jagte. Diesem Prinzip, Support als Zeit- und Geldverschwendung zu betrachten, ist Funcom auch bisher wacker treu geblieben. So existieren die offiziellen Support-Seiten nur in englischer Sprache, die GMs arbeiten mit der Geschwindigkeit von Bären im Winterschlaf (und weil man so ungern geweckt wird, werden Tickets einfach gelöscht, aber nicht etwa bearbeitet) und im offiziellen Forum ist so etwas wie ein Ansprechpartner für technische Fragen erst gar nicht existent.

Arme Sau


So, nun konnte es aber losgehen – am Vormittag des 17. noch einmal schnell gepatcht und dann sollte der Spaß beginnen! Ich war bereit und es waren nur noch wenige Stunden bis zum EA. Sämtliche Aktivitäten, die mit exzessivem Alkoholgenuss und / oder Sex zu tun hatten, hatte ich für Samstagabend abgesagt, denn heute würde ich zur Abwechslung einmal virtuelle Freuden genießen. Ja, es hätte so schön sein können, hätte Funcom’s Unvermögen einen vernünftigen Patcher zu programmieren, mein bereits installiertes Spiel nicht in einen Zustand versetzt, der irgendwo zwischen digitaler Ursuppe und Byteexkrement rangierte – Ergebnis: Der Patcher fing plötzlich neuerlich an Daten herunterzuladen, darunter auch ein Schwergewicht mit rund 15 Gigabyte. Ich will Ihnen jetzt die weitern Details meiner Leiden dieser Nacht ersparen – sagen wir einfach, dass aus der Sache mit dem Verzicht auf jede Menge Alkohol dann doch nix wurde.

Banane

Nach etlichen Neuinstallationen und fast eben so vielen Selbstmordversuchen des AoC Clients hat’s dann irgendwann auch bei mir geklappt – am nächsten Tag war ich endlich drin!!! Begrüßt wurde ich dort nicht nur von Framerates im einstelligen, sondern auch von Lagspikes im fünfstelligen Bereich. Tja, das war mein EA... Kundendienstleistung von Funcom nach dem Motto „Für jede Lösung ein Problem“.

Frohe Ostern und dicke Eier!

Und ich war da noch gut dran, denn viele Amazon-Kunden, die bis dahin noch geglaubt hatten ihnen stehe ein Anrecht auf den EA zu wurden bitter enttäuscht. Da Amazon die Preorder-Boxen zu spät auslieferte, der EA allerdings begrenzt war und der Zugang daher nach dem unglaublich professionellen Prinzip „wer zuerst kommt, malt zuerst“ verteilt wurde, schauten viele Kunden halt einfach in die Röhre, in der sie alles Mögliche sehen konnten, nur eben nicht AoC.
Tja, auch hier bewahrheitet sich wieder, nicht immer alles glauben, was MMO-Entwickler so erzählen:

Yes, that quite elegantly came out without us knowing it would, so I guess I can just as well confirm it here. All players who pre-order through selected retailers will be able to access the game three days prior to the retail launch (so 17th of May for US / Australia and 20th for Europe).
(Jørgen Tharaldsen, Funcom im Interview mit dem Games-Magazin Massively)

Inzwischen wird immer klarer, dass der Karnevalsverein aus dem Land der Elche die technische Seite des Spiels nicht wirklich im Griff hat. So leiden vor allem deutsche Kunden von T-Online unter Lagspikes von bis zu 10.000 ms, was AoC ziemlich unspielbar macht. Dieses Problem, so teilten einige Kunden im offiziellen Forum mit, sei ein altbekanntes, dass genauso bereits in der Beta existiert habe – hätte man also schon längst beheben können, aber da war man bei Funcom eben zu sehr damit beschäftigt das viele Geld zu zählen, das Fileplanet für die Exklusivrechte der Beta locker gemacht hatte. Daher wahrscheinlich die offizielle Aussage Funcoms (verkündet durch Alleinunterhalter Waldgeist), man sei von dem Problem überrascht worden und hätte nun erst einmal Daten sammeln müssen...

Apropos Geld! An dieser Stelle möchte ich auf eine Aktion in eigener Sache hinweisen:

Bitte Drücker und Bürste benutzen!


Aber jetzt mal zum eigentlichen Spiel:

Die Charakterdegeneration ist in Ordnung und sicherlich im Vergleich zu WoW relativ komplex. Von dem übertriebenen Gespeichel, das man sich auf den offiziellen Seiten zusammengesabbert hat, ist man allerdings noch Lichtjahre entfernt:

„Age of Conan: Hyborian Adventures” ermöglicht es, einen bespiellosen Grad an Kontrolle über seinen Charakter zu erlangen. Bestimme das Aussehen deiner Spielfigur — ihre Frisur, die körperlichen Merkmale, den Körperbau, die Größe und weitere Eigenschaften — sowie ihre Entwicklung, indem man einzigartige Kombo-Angriffe und Fertigkeiten wählt, als auch ihre Spezialfertigkeiten und die tödlichen Zauber, die sie wirken.

Von den einzigartigen „Kombo-Angriffen“ hab zumindest ich noch nix gesehen... wahrscheinlich spielt man hier aber auf Fertigkeiten an, die man durch die Vergabe von Talentpunkten erlangen kann – wow! Na das ist ja mal beispiellos! Vielleicht sollte ich aber einfach sagen: WoW! Na das ist ja mal beispiellos!

Germany's Next Topmodel

Man beginnt sein Leben als Barbaren-Azubi auf der Insel Tortage, auf der es von grimmigen Piraten, wilden Eingeborenen, blutgierigen Dämonen und bekloppten Fanbois nur so wimmelt. Bis man die erste größere Stadt erreicht, kämpft man sich zusammen mit irgend so einer leicht bekleideten NPC-Matrosen-Matratze, im Singleplayer-Modus durch den Dschungel, ein durchaus stimmiger Einstieg ins Spiel... zumindest dann, wenn man das Ganze zum ersten Mal spielt. Spätestens beim dritten Charakter dürfte Ihnen Tortage aber sowas von zum Hals heraushängen, dass sie beim Köpfen von Eingeborenen, Riesenaffen und Piraten Gewaltfantasien entwickeln, in denen Funcom-Mitarbeiter sozusagen eine HAUPTrolle spielen. Denn verschiedene Einstiegspunkte oder etwa Startgebiete für die einzelnen Völker gibt es in AoC nicht. Redundanter Content is’ was für Schwachstecker.

Fingerfarben

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