Vorwort:
Ich werde, in dem nun folgenden Early Review der Anabolika-Werbeveranstaltung Age of Conan, des Öfteren Vergleiche mit anderen MMOs ziehen, die sich nun bereits seit Monaten oder gar Jahren auf dem Markt befinden. Dies macht durchaus Sinn, da sich jedes neu veröffentlichte MMO zwangsläufig dem Konkurrenzkampf mit seinen Nebenbuhlern stellen muss. Ich allerdings ziehe diese Vergleiche nicht, weil es etwa logisch wäre, sondern einfach nur, um die ganzen Fanbois anzupissen, die wahrscheinlich bereits an dieser Stelle aus dem Review aussteigen werden.
Eigentlich sollte man ja meinen, dass Funcom seit dem 9/11 der MMO-Szene, gemeint ist der desaströse Start von Anarchy Online, der in seinen Ausmaßen durchaus mit einem terroristischen Anschlag auf die Kundschaft vergleichbar war, etwas gelernt hat. Stattdessen haben sich die lustigen Norweger aber dazu entschlossen ein weiteres digitales Attentat anzudrohen – Age of Conan (AoC), ein Spiel, welches sich vor allem an eine männliche Klientel im Stadium pubertärer Dauergeilheit oder notbedürftiger Altersgeilheit befindet. Und auch Muckibudenbesitzer sowie Steroid-Junkies mit Muskeln wie Fesselballons und einem Hoden in der Größe eines Erdnussflip, dürften ihre helle Freude am Brachial-MMO haben.
Ich persönlich dachte ja, man würde von Funcom nie wieder was hören, nachdem sie uns 2001 den dicken braunen Haufen namens Anarchy Online vorgesetzt hatten. Ich war fest davon überzeugt, die würden im MMO-Meer zwischen den ganzen anderen Entwicklerfirmen komplett untergehen... ich hätt’s besser wissen sollen, schließlich weiß man ja, was mit Scheiße im Meer passiert – genau: Sie schwimmt bekanntlich nicht nur oben, sondern wird auch immer wieder an Land gespült.

Natürlich wollte ich den Start von AoC auf keinen Fall verpassen und hatte mir dann auch gleich den Early-Access (EA) gegönnt, also sozusagen die bezahlte Closed Beta, bevor die Open Beta dann am 23. Mai beginnen sollte. Laut Funcom sollte ich für nur schlappe 5 Euro, schon vor dem 0815-Kunden beschissen werden – und das für volle sechs Tage! Genau volle sechs Tage (noch einmal in Zahlen: 6!!!), sollte ich bereits vor allen Anderen Hyboria erkunden können (ausgenommen die 100.000 Spieler, die ebenfalls den Early-Access erworben hatten)...
Sind wir mal ehrlich, wer kann da schon widerstehen? Ich jedenfalls nicht, speziell, weil ich schon so im Vorfeld die Vermutung hatte, dass das sechs Tage voller Unterhaltung aller erster Sahne werden würden, egal ob süße oder doch eher saure.
Am 10. Mai um 17.00 GMT (19.00 unserer Zeit) sollte dann der eigentliche Download des Early-Access-Clients beginnen und alles wartete schon gespannt. Und siehe da, bereits VOR 19.00 berichteten einige Kunden in den Foren, sie hätten jetzt einen Link in ihrem Account und könnten den Client herunterladen. Ich war überrascht... um’s mal vorsichtig auszudrücken. Hatte ich doch eigentlich damit gerechnet, dass Funcom das nie und nimmer hinbekommt. Schon wenige Minuten Stunden später kam von Funcom dann ein Dementi, man solle den Client doch bitte nicht weiterverteilen, man habe versehentlich einen Beta-Client gelinkt... klar... logisch... ist auch schwierig die ganzen kryptischen Versionsnummern auseinanderzuhalten, ganz besonders, wenn das der Dyskalkulie-geplagte Praktikant machen muss. Auf jeden Fall, so Funcom, gebe es technische Schwierigkeiten und das Ganze verzögere sich um ein paar Stunden. So ab 22.00 solle man es doch mal wieder probieren.
Ok, das war mir dann doch ein bissel zu dumm und ich hab mich erst mal mit Freunden getroffen, um der kulturellen Seite des Lebens frönen. Als ich um drei Uhr nachts dann völlig besoffen nach Hause kam, wollte ich selbstverständlich nicht ins Bett gehen, ohne vorher zu prüfen, was Funcom inzwischen denn so geleistet hatte. Und tatsächlich: Der Downloadmanager (DM) war nicht nur endlich verfügbar, sondern funktionierte auch ohne Einschränkungen. Warum mich allerdings Funcom in einer E-Mail auf eine Hilfe-Seite aufmerksam machte, auf der man mir erklärte wie ich den DM einzurichten habe, damit er auch im P2P Netzwerk bestens funktioniere, war mir zumindest da noch nicht so ganz klar, denn ganz offensichtlich lud er zu diesen Zeitpunkt noch direkt von einem FTP Server – von P2P konnte also nicht die Rede sein.

Am nächsten Morgen hatte sich der DM dann beendet, selbstverständlich hatte er den Client mit seinen mickrigen 13kommairgendwas Gigabyte keineswegs heruntergeladen, sondern irgendwann in der Nacht einfach den Download abgebrochen. Also noch mal neu gestartet... Tja, was soll ich sagen... das Ding verweigerte erstmal komplett die Mitarbeit, will heißen es passierte gar nix. Wie ich dann im Forum durch einige andere Kunden erfuhr (Funcom war zu dieser Zeit im Forum genauso aktiv wie ihr DM auf meinem PC) musste man beim DM wie ein Gehirnamputierter abwechselnd auf Pause und Start drücken und wenn man ganz viel Glück hatte, dann fing der auch damit an den Client herunterzuladen.
Irgendwann hat’s dann auch bei mir geklappt und der Doofmanager fing an, endlich seinen Job zu tun, diesmal allerdings lud er die ihm übermittelte Information in Form von Datenpakten mit einer Geschwindigkeit herunter, die irgendwo zwischen 28k Modem und Indianer-Rauchzeichen rangierte... Nach messerscharfer Kalkulation, dank Daumen und Taschenrechner, wurde mir schnell klar, dass mein kleiner norwegischer Freund den Client bei einer Geschwindigkeit zwischen 8 und 20 KB pro Sekunde niemals bis zum 17. heruntergeladen haben würde, genau da startete aber der EA.

Da ich mir insgeheim schon dachte, dass es den ganzen Fanbois, die die Nacht durchgemacht hatten, um den Client zu ziehen, inzwischen langweilig geworden war, beschloss ich die mal ein wenig aufzuregen und machte daher meinem Unmut im offiziellen AoC-Forum (AoC = Alles ohne Customer support) Luft. Die Reaktion war eigentlich wie erwartet. Es dauerte gar nicht lange, da hatten sich diejenigen, die Funcom seit Ankündigung von AoC so tief in den Arsch gekrochen waren, dass zumindest Hoffnung bestand, dass sie es bis zum Start des EA nicht mehr herausschaffen würden, bereits gegen mich zusammengerottet und beschimpften mich, auf die für Fanbois und Kleinkinder übliche Art. Man solle es mir verbieten AoC zu spielen, ließ mich gar einer der Speichellecker wissen – nur mal zur Erinnerung, das Spiel darf eigentlich nicht an Personen unter 18 verkauft werden...
Auch meine Kritik daran, dass der DM alle ein bis zwei Stunden einfach mit dem Herunterladen aufhörte, ließ man in Fanboi-Kreisen nicht gelten – schließlich bildete der eigene Arsch, spätestens seit World of Warcraft (WoW), mit dem Schreibtischstuhl eine feste Einheit, man hatte also auch gar keine Probleme damit, den Downloader ständig neu zu starten. Entsprechend schwer fiel es den meisten dann auch zu verstehen, dass Menschen wie ich, aufgrund von Morgenhygiene, Toilettengang und Festanstellung auch manchmal den geliebten Platz vor dem Tor zur digitalen Welt verlassen müssen. Spätestens nach diesen ersten Erfahrungen mit der AoC-Community wusste ich dann, dass sich auch hier mal wieder der alte Spruch „die Scheiße ändert sich zwar, aber die Fliegen bleiben die gleichen“ nur all zu sehr bewahrheitet, waren doch die ganzen Einzeller von WoW, Vanguard, Everquest 2 und all den anderen MMOs einfach zu AoC abgewandert und hatten ihr krankes Selbstverständnis von Loyalität gleich mitgebracht.

Während sich die Kritik am DM häufte und im offiziellen Forum Threads mit diesem Thema im Minutentakt eröffnet wurden, hielt sich Funcom, wie man das von ihnen gewöhnt ist, erstmal schön bedeckt. Weder von Moderatoren, noch von Entwicklern war eine Spur zu finden. Auf alternative Downloadmöglichkeiten hinzuweisen oder etwa diese sogar bereitzustellen (ich weiß, ich weiß... ich bin saunaiv) hielt man für komplett unnötig.
Das erinnerte zumindest mich dann doch stark and die gute alte Anarchy Online Zeit, in der die Moderatoren auch wenig schrieben, aber umso mehr löschten – vornehmlich Beiträge, die darauf aufmerksam machten, dass das digitale Alpha-Monster namens Anarchy Online ungefähr genauso gut funktioniere, wie seinerzeit die Planwirtschaft in der DDR. Und wer erinnert sich nicht an Mr. Euphemismus 2001, den Moderator Fadinaway, der einem sogar eine Framerate im negativen Bereich als ein Feature verkaufen konnte.

Ich persönlich glaube ja, dass Fadinaway einfach nur ein armer Trottel ist, der zuviel norwegischen, gelben Schnee gegessen hat. Nicht jeder dürfte allerdings so positiv über den Fips Asmussen der Anarchy Online Foren denken wie ich. Aber zurück zu AoC...
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